16. Oktober 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Joachim Schweppe

Joachim Schweppe
Joachim Schweppe
Ein Komponist vollkommen unter dem Radar. Denn wer kennt schon Joachim Schweppe (1926–1999)? In Kiel geboren, in Hamburg aufgewachsen. Schon vor dem WK2 hatte er sich der Musik verschrieben, danach mit einem Studium. In Hamburg gehörte zur weithin unbekannten Gruppe «Steinhagenhaus», es folgte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker und das sichere «Abtauchen» im allsonntäglichen Gemeindedienst in Wandsbek, als die gleichaltrige Avantgarde an den Grundfesten der Musik rüttelte. Umso bemerkenswerter ist die Neuentdeckung seines Schaffens (der Begriff «Wiederentdeckung» verbietet sich). Und es stellt sich die Frage, wie ein so profunder Komponist in Norddeutschland der Aufmerksamkeit entgangen ist.

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Das als Portrait angelegte Album versammelt drei Werke aus unterschiedlichen Zeiten – eine Form und Faktur des Barock reflektierende Violinsonate von 1954, eine sehr eigene und doch in jedem Ton unmittelbar zugängliche Trakl-Sinfonie von 1978 (vermutlich wäre sie damals mit ihren spätromantischen Bezugspunkten ein Skandal gewesen) sowie ein melancholisches Konzert für Englischhorn aus den letzten Jahren. Es sind Werke, die das Schaffen außerhalb des später bestimmenden kirchenmusikalischen Kontextes kaum berühren, die aber Schweppe als eine sehr selbständige und doch traditionsverbundene Stimme präsentieren – vor allem in der Sinfonie und im Concerto. Dass man Schweppe als Komponist richtig wahrnehmen kann, ist der herausragenden Besetzung zu verdanken, die nicht «dilettiert», sondern den Kern der Werke erfasst. Ich bin kein Freund von «großen Namen», hier aber zeigen Juliane Banse, Ramón Ortega Quero und das Kammerorchester Konsonanz mit Gustav Frielinghaus, was in den Partituren steckt – und dass sich jede weitere Beschäftigung lohnt. Oder, wie ich gerne an so einer Stelle schreibe: hören und staunen.

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Joachim Schweppe. Konzert für Englischhorn und Orchester (1986/98/99); Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 (1954); VEFALL («Trakl-Sinfonie») (1978)
Juliane Banse (Sopran), Ramón Ortega Quero (Englischhorn), Gustav Frielinghaus (Violine), Kammerorchester Konsonanz

KKE Records KKE 25010 (2021, 2023, 2024)

HörBar #195 – Sch… (diverse)

Collection Schumann

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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