
Das als Portrait angelegte Album versammelt drei Werke aus unterschiedlichen Zeiten – eine Form und Faktur des Barock reflektierende Violinsonate von 1954, eine sehr eigene und doch in jedem Ton unmittelbar zugängliche Trakl-Sinfonie von 1978 (vermutlich wäre sie damals mit ihren spätromantischen Bezugspunkten ein Skandal gewesen) sowie ein melancholisches Konzert für Englischhorn aus den letzten Jahren. Es sind Werke, die das Schaffen außerhalb des später bestimmenden kirchenmusikalischen Kontextes kaum berühren, die aber Schweppe als eine sehr selbständige und doch traditionsverbundene Stimme präsentieren – vor allem in der Sinfonie und im Concerto. Dass man Schweppe als Komponist richtig wahrnehmen kann, ist der herausragenden Besetzung zu verdanken, die nicht «dilettiert», sondern den Kern der Werke erfasst. Ich bin kein Freund von «großen Namen», hier aber zeigen Juliane Banse, Ramón Ortega Quero und das Kammerorchester Konsonanz mit Gustav Frielinghaus, was in den Partituren steckt – und dass sich jede weitere Beschäftigung lohnt. Oder, wie ich gerne an so einer Stelle schreibe: hören und staunen.
Joachim Schweppe. Konzert für Englischhorn und Orchester (1986/98/99); Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 (1954); VEFALL («Trakl-Sinfonie») (1978)
Juliane Banse (Sopran), Ramón Ortega Quero (Englischhorn), Gustav Frielinghaus (Violine), Kammerorchester Konsonanz
KKE Records KKE 25010 (2021, 2023, 2024)
