
Umso erstaunlicher ist es, dass in dieser Folge der Collection Schumann oftmals die sekundären alternativen Besetzungen dem Original vorgezogen werden. Womöglich sollte dies in der Konzertsituation (es handelt sich durchweg um Live-Mitschnitte) für mehr Abwechslung sorgen, zumal auf eine Oboe verzichtet wurde (womöglich wegen ihrer singulären Verwendung?). So ergeben sich seltsame Konstellationen: Die Fantasiestücke op. 73 (ein romantisches Paradewerk für Klarinette) erklingen mit Violoncello, die Romanzen op. 94 hingegen mit Klarinette (ohne dass die ursprüngliche Besetzung in der Trackliste angegeben ist). Der akustisch entfernte Schlussapplaus macht deutlich, dass die ursprüngliche Raumsituation eine andere war, als der sehr klare, trockene und unmittelbare Klang der Aufnahme vermuten lässt. Zwar mag die Gesamtschau auf diesen im Schatten stehenden Teil von Schumanns Œuvre instruktiv erscheinen, doch wird sie dem intendierten erzählenden Tonfall kaum gerecht: Die Stücke im Volkston (op. 102) atmen hier eine offenkundig falsche Brillanz. Viel zu selten ist das Klavierquartett (1828/29), das hier mit nur verhaltenem Feuer vorgetragen wird – ein wahrlich nicht zu verachtender Zeuge von Schumanns Weg zum Romantiker.
Robert Schumann. Fantasiestücke op. 73; Drei Romanzen op. 94; Märchenbilder op. 113; Märchenerzählungen op. 132; Fantasiestücke op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello; Fünf Stücke im Volkston op. 102; Klavierquartett c-Moll WoO 32
Florent Pujuila (Klarinette), Pierre Fouchenneret (Violine), Lise Berthaud (Viola), Anna Sypniewski (Viola), François Salque (Violoncello), Caroline Sypniewski (Violoncello), Théo Fouchenneret (Klavier)
b-records LBM 080 (2024)
