15. Oktober 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Collection Schumann

Collection Schumann
Collection Schumann
Ein doppeltes Schumann-Album in einer Reihe der «diversen» Namen? Tatsächlich ist das durchaus gerechtfertigt, blickt man auf die hier eingespielten Werke. Abgesehen von den Fantasiestücken op. 73 und den Stücken für Klaviertrio op. 88 handelt es sich durchweg um nahezu unbekannte Werke, die hier in einem in sich geschlossenen Kontext erklingen. Fantasiestücke, Märchenbilder und Märchenerzählungen, Romanzen und Stücke im Volkston – sie bilden in Schumanns fortgeschrittenen Jahren eine kleine Folge von Charakterstücken mit einem meist gedecktem Tonfall. Dazu trägt auch die jeweilige Besetzung bei mit Klarinette (op. 73), Oboe (op. 94), Viola (op. 113), Klarinette und Viola (op. 132), Violoncello (op. 102) und Klavier.

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Umso erstaunlicher ist es, dass in dieser Folge der Collection Schumann oftmals die sekundären alternativen Besetzungen dem Original vorgezogen werden. Womöglich sollte dies in der Konzertsituation (es handelt sich durchweg um Live-Mitschnitte) für mehr Abwechslung sorgen, zumal auf eine Oboe verzichtet wurde (womöglich wegen ihrer singulären Verwendung?). So ergeben sich seltsame Konstellationen: Die Fantasiestücke op. 73 (ein romantisches Paradewerk für Klarinette) erklingen mit Violoncello, die Romanzen op. 94 hingegen mit Klarinette (ohne dass die ursprüngliche Besetzung in der Trackliste angegeben ist). Der akustisch entfernte Schlussapplaus macht deutlich, dass die ursprüngliche Raumsituation eine andere war, als der sehr klare, trockene und unmittelbare Klang der Aufnahme vermuten lässt. Zwar mag die Gesamtschau auf diesen im Schatten stehenden Teil von Schumanns Œuvre instruktiv erscheinen, doch wird sie dem intendierten erzählenden Tonfall kaum gerecht: Die Stücke im Volkston (op. 102) atmen hier eine offenkundig falsche Brillanz. Viel zu selten ist das Klavierquartett (1828/29), das hier mit nur verhaltenem Feuer vorgetragen wird – ein wahrlich nicht zu verachtender Zeuge von Schumanns Weg zum Romantiker.

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Robert Schumann. Fantasiestücke op. 73; Drei Romanzen op. 94; Märchenbilder op. 113; Märchenerzählungen op. 132; Fantasiestücke op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello; Fünf Stücke im Volkston op. 102; Klavierquartett c-Moll WoO 32
Florent Pujuila (Klarinette), Pierre Fouchenneret (Violine), Lise Berthaud (Viola), Anna Sypniewski (Viola), François Salque (Violoncello), Caroline Sypniewski (Violoncello), Théo Fouchenneret (Klavier)

b-records LBM 080 (2024)

HörBar #195 – Sch… (diverse)

Johann Christian Schickhardt

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 2 of 2 in the series HörBar #195 – Sch… (diverse)

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