CPE Bach – Berlin SymphoniesBerlin oder Potsdam – Potsdam oder Berlin. Bei den bis 1767 entstandenen Sinfonien von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) dürfte diese Frage ehrlicherweise keine große Rolle spielen. Denn die Sinfonien entstanden für oder für das Umfeld des preußischen Hofes von Friedrich II. – und Bach ging damit weit über die an ihn gestellten Anforderungen eines «Kammercembalisten» hinaus. Doch mehr noch als auf seine Anstellung und die damit verbundene Funktion bezogen setzte CPE mit den Sinfonien formale wie ästhetische Meilensteine für die weitere Entwicklung der Gattung. Er wurde damit zu einem herausragenden Protagonisten des musikalischen «Sturm und Drang», der zwar nicht zur Epoche avancierte, aber dennoch eine wichtige Episode auf dem Weg zur «Wiener Klassik» darstellt (und von Joseph Martin Kraus höchst lebendig weitergedacht wurde).
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Auf die mit dem «Sturm und Drang» einhergehenden stilistischen Aspekte zielt wohl auch das Motto Instrumental Theatre of Affects – gleichsam eine Interpretation der Musik selbst, die man offenbar unbedingt (und überflüssigerweise) mit einem schlagkräftigen Claim sekundieren musste. Dabei haben es weder die Sinfonien noch die bezaubernd frische und alles andere als manieristische Interpretation des Ensembles Arte dei Suonatori derart grobe Zusammenfassungen nötig. Nicht die Extreme werden ausgespielt, sondern in einem gesamtheitlichen Rahmen eingebunden. Nicht die Radikalität der Musik rückt in den Vordergrund, sondern ihre eigene Polarität zwischen innerer Empfindung und äußerem Affekt. Und genau da trifft Marcin Świątkiewicz mit seinem kammermusikalisch besetzten Ensemble den Kern der Partituren: Die technische Klasse und Beweglichkeit des Einzelnen formt sich im Tutti zu intensiven Gefühlszuständen, die nicht verkünstelt aufgeregt wirken. Eine Einspielung, die verblüfft, ohne zu revolutionieren.
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Carl Philipp Emanuel Bach. Berlin Symphonies I
Sinfonie Es-Dur Wq 179 (H. 654); Sinfonie G-Dur Wq 180 (H. 655); Sinfonie e-Moll Wq 178 (H. 653); Sinfonie F-Dur Wq 175 (H. 650); Sinfonie G-Dur Wq 173 (H. 648); Sinfonie D-Dur Wq 176 (H. 651).
Arte dei Suonatori, Marcin ÅšwiÄ…tkiewicz BIS Records BIS-2759 (2025)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.