1. Mai 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Jérôme Bouve & Delphine Dora – Vents d’aether

Jérôme Bouve & Delphine Dora – Vents d’aether
Jérôme Bouve & Delphine Dora – Vents d’aether

Sie verstehen dieses Reisedokument als Dokument eines Dialogs zwischen Klang und Raum. Jérôme Bouve & Delphine Dora haben Kirchen der Halbinsel Cotentin in der Normandie aufgesucht, die vorhandenen Instrumente (Orgel und Harmonium) für eine improvisierte Session genutzt und das alles mit Field-Recordings von SA~RA gemischt. Der Ort als bespielbarer und abhörbarer Raum werde dadurch, wie Delphine Dora sagt, «Zeugnis einer sensorischen Suche, eine Sammlung von Erinnerungen, die in der Zeit schwebt».

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In der Sache ist das faszinierend. Der erste Track spielt dabei besonders mit dem Element der Field-Recordings. Man hört die Landschaft mit. Gleichwohl wirkt die tönende, den Orgeln und dem Harmonium entlockte Musik bis zu einem gewissen Grad hilflos in diesem Raum. Das ist etwas anders als bei den nachfolgenden Tracks bei denen der Orgelklang selbst ins Zentrum rückt, obwohl die Art der dort vollzogenen Improvisationen immer ein wenig dünn daherkommt. Es wird mir da zu viel geplappert wie bei einem bloßen Fingerspiel. Das wird eigentlich nur dort reizvoll, wo die Instrumente aus der «Stimmung» geraten und damit das diatonische Feld verlassen wird. Oder dort, wo plötzliche Registerwechsel den Klangkern einer Orgel kippen lassen.

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Für eine Art von meditativer Hörhaltung ist mir das Geschleiche zu viel. Für eine aufregende Hörbegleitung ist es mir zu wenig. Am ehesten funktioniert es noch im letzten Stück des Albums «Montfarville V», erinnert hier freilich deutlich an die Musik von Moondog, was ja keine schlecht Referenz wäre.

Es ist etwas eigenartig, denn das im März erschienene Album «L’ineluctable pulsation du temps» von Delphine Dora ist musikalisch-technisch über weite Strecken deutlich gewandter, verspielter, geläufiger. Vielleicht liegt es am Instrument der Orgel.


Jérôme Bouve & Delphine Dora – Vents d’aether [2026]

  • Jérôme Bouve: Sound production (based on an original idea), devining of locations, recordings, mixing editing, tracklist
  • Delphine Dora: Composition, organ, harmonium, vocals, except Vents d’aether composed by DD /JB & Montfarville V composed and performed by DD / JB
  • SA~RA: Field Recordings

LP Hallow Ground HG2601 (VÖ: 17.04.2026 Digital und Vinyl)

Autor

  • Martin Hufner. Foto: Kurt Hufner

    Martin Hufner ist Musikjournalist, Musikwissenschaftler, Blogger. Er betreut nebenbei die Online-Redaktion der neuen musikzeitung.

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hoerbar_nmz

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