10. Juli 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Nature Romantique – Juliette Hurel

Nature Romantique – Juliette Hurel
Nature Romantique – Juliette Hurel
Das Album wartet mit keiner Überraschung auf, sondern versammelt jene drei Werke, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn die Stichworte «Flöte» und «Romantik» fallen. Dabei war die Flöte beliebt und hat einen weitaus größeren Bestand an guten Werken aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfügbar. Neu ist lediglich, dass Trio, Sonate und Variationen in das engere Konzept einer wie auch immer zu definierenden Naturromantik gestellt werden. Die allerdings würde ich eher bei Kompositionen sehen und vermuten, die keine etablierte Gattung mit ausgeprägter eigener, vor allem formal determinierter Ästhetik im Titel aufweisen.

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Gespielt wird auf modernen Instrumenten, Juliette Hurel hat sogar eine Pearl Maesta 18 Karat in ihren Händen. Dem intendierten Klang der Werke kommt das nicht entgegen, was sich an den ersten Takten des Scherzos aus Webers Trio sehr schön erkennen lässt: Das Unisono produziert schlichtweg keinen neuen Klang, sondern eine (undurchsichtige) Mischung ohne eigenen Wert. In der deutschen Übersetzung des Booklet-Essays blitzt ein ähnlicher Gedanke auf, wenn die von Weber in seinem Tagebuch festgehaltene Besetzung als «für Hammerklavier (!), Flöte und Violoncello» genannt wird – während Weber am 25. Juli1819 nur «Pf Flauto, Violoncello» notierte. Obwohl mit dem Album eine 30-jährige Partnerschaft gefeiert werden soll, vermisse ich einen individuellen Zugang zu den Stücken; Momente, die unmittelbar ansprechen und berühren, und sich nicht im oft vibrierenden Ton verflüchtigen. Dass es anders und damit auch spannender geht, zeigt die Introduktion von Schubert Variationen. Eine Veröffentlichung, die «richtig» erscheint, aber im Inneren nichts bewegt.

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Nature Romantique
Carl Maria von Weber. Trio g-Moll op. 63 für Flöte, Violoncello und Klavier; Franz Schubert. Schäfers Klagelied D 121 (arr. für Flöte und Klavier); Carl Reinecke. Sonate e-Moll op. 167 für Flöte und Klavier «Undine»; Franz Schubert. Introduktion, Thema und Variationen über «Trockne Blumen» D 802; Trockne Blumen aus «Die schöne Müllerin» D 795
Juliette Hurel (Flöte), Helene Couvert (Klavier), Emmanuelle Bertrand (Violoncello)

Alpha ALP 982 (2023)

HörBar #191 – Flöte

Frank Martin – Daniele Ruggieri

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 4 of 4 in the series HörBar #191 – Flöte

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