Joseph Weigl – TriosEine Rarität in gleich mehrfacher Hinsicht. Zunächst dürfte Joseph Weigl (1766–1846) heute nur noch wenigen als Komponist ein Begriff sein, obwohl sein einst erfolgreiches Singspiel Die Schweizerfamilie hin und wieder wieder aufgeführt wird. Dann wird die ausgesprochen kammermusikalische Besetzung dieser sechs Trios verblüffen: Oboe, Violine und Violoncello. Und schließlich werden auch die Stücke selbst überraschen, die ungedruckt in der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert sind. Drei von ihnen sind dreisätzig, drei weitere umfassen vier Sätze, zwei davon schließen gar eine Fuge ein.
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Es handelt sich um freundliche Musik zur Unterhaltung, die mit Sicherheit noch im 18. Jahrhundert entstanden ist. Carl Maria von Weber sprach in einem anderen Zusammenhang bei Weigl von einer «weichlichen, fleißigen und kenntnißreichen Sammtmalerei», und genau das findet man auch in diesen Trios vor – etwa im Siziliano-Finale von Nr. 3, dessen eingängige Melodie einem doch irgendwie bekannt vorkommt. Ob die Werke repräsentativ für das erst noch zu sichtende und dann wieder zu entdeckende Schaffen Weigls stehen, darf bezweifelt werden; der Kopfsatz von Nr. 4 wirkt in Faktur und Charakter noch ganz perückenhaft. Für meine Ohren leidet die Einspielung ein wenig an der unmittelbaren Präsenz der einzelnen Instrumente. Diese finden sich akustisch kaum einmal zu einem wirklichen Trio zusammen, wodurch die Kompositionen drängender erscheinen, als sie sind.
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Joseph Weigl. Trios für Oboe, Violine und Violoncello
Carin van Heerden (Oboe), Martin Jopp (Violine), Katie Stephens (Violoncello) cpo 555 455-2 (2020)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.