
Eine Mischung aus alledem stellt das vorliegende Album dar. Es verbindet die als sechsstimmig durchkomponierte motettische Johannes-Passion von Johannes Demantius (1567–1643) mit thematisch adäquaten Motetten von Schütz, Schein, Scheidt – und Daniel Selichius. Ein schlüssiges Konzept – wobei das Alternieren wohl eine Idee aus dem 21. Jahrhundert ist. Man könnte auch von einem musikalisch-liturgischen Pasticcio sprechen. Auf jeden Fall aber greift der Titel auf dem Cover zu kurz – auch wenn die Stadt Freiberg am Erzgebirge als historischer Fokus hinzukommt (dort wirkte neben Demantius auch Andreas Hammerschmidt für einige Jahre). Das stimmlich gut und gleichmäßig disponierte, solistisch besetzte und um Laute und Orgelpositiv erweiterte Ensemble Polyharmonique nimmt sich den Motetten mit Aufmerksamkeit und intonatorischer Reinheit an – allerdings auch ohne dem Wort geschuldete kräftige Akzente. Die Aufnahme ist mehr räumlich als kammermusikalisch angelegt, so dass nicht durchgehend eine unmittelbare Textverständlichkeit gegeben ist.
Christoph Demantius. Passion nach dem Evangelisten Johannes
Christoph Demantius. Weissagung Des Leiden Und Sterben Jesu Christi; Passion nach dem Evangelisten Johannes; Andreas Hammerschmidt. Ach, Jesus stirbt HaWV 659; Ich leide billig nach meinem verdienten Lohn HaWV 242; Erbarm dich mein HaWV 139; Unser Herr Jesus Christ HaWV 661; Herzlich lieb hab ich dich HaWV 682; Daniel Selichius. Meine Seele ist betrübt; Heinrich Schütz. O hilf, Christe Gottes Sohn SWV 295; Samuel Scheidt. Herzlich tut mich verlangen; Johann Hermann Schein. O Lamm Gottes unschuldig
Ensemble Polyharmonique, Alexander Schneider
cpo 555 583-2 (2022)
