17. Juli 2024 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

TON meets Sarah Davachi

TON meets Sarah Davachi
TON meets Sarah Davachi

Haben Sie Zeit? Die müssen und sollten Sie mitbringen für dieses Stück von knapp 59 Minuten Dauer. Allein schon etwa 11 Minuten dauert am Anfang der Aufbau eines harmonischen Orgelklangs aus Oktaven und Registern mit Obertonspengseln, den die Organistin Sarah Davachi zusammensetzt bis eine erste Trübung zu einer harmonischen Abweichung entsteht. Erst ab Minute 17 dünnt der Orgelklang aus, was eine eigenartige Beschleunigung in diesem Zusammenhang darstellt und man als einen Hauch von Plötzlichkeit wahrnehmen kann. Klanglich erinnert dieser Anfang an Kompositionen von La Monte Young oder Terry Riley. Ab Minute 19 kommt dann auch deutlich präsente Bewegung der anderen Musiker:innen ins Spiel.

Die Musiker:innen von TON sind bekannt dafür, ihren Instrumenten genau jene Klänge zu entlocken, die man nicht mit sogenannten traditionellen Spielweisen in Verbindung bringt – aber eben mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht nach Klangsensationen hascht wie nach unbekannten Orchideen oder Schmetterlingen. Nur so entsteht hier ein in sich mimetisch verschlungenes neues Ganzes. Das  modelliert sich zu einem langen Klangband in deren tönenden DNA der Orgelklang nie verschwindet, aber nicht mehr die alleinige Aufmerksamkeit an sich bindet. Der Raum der Kunst-Station St. Peter in Köln spielt dabei mit.

Das ist alles wie bei TON immer mit einer Sorgfalt musiziert, die keine knackigen Überraschungen für die Zuhörer:innen bereithält, sondern, paradox genug, eine Dauerüberraschung ist. Hinter jedem Knistern und Impuls, hinter jedem verhüllten Oberton lugt da ein spezieller Reiz für die Ohren hervor.

Großes Hüllkurvenspiel in Sachen Form, Dynamik, Register und fluider Tonalität.

Haben Sie dafür Zeit? Sie müssen nichts weiter tun als da sein. Niemand wird sie überzeugen wollen, niemand wird sie zu etwas überreden, sie gehen einfach diesen Weg mit … oder nicht. Ihre Entscheidung.


TON meets Sarah Davachi [2024]

  • Matthias Muche – Trombone
  • Constantin Herzog – Double bass
  • Etienne Nillesen – Snare drum
  • Sarah Davachi – Organ

Impakt Records (CD und Digital: VÖ: 2.2.2024]

 

Autor

hoerbar_nmz

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