27. Oktober 2020 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Windisch Quartett: Chaos (2020)

Windisch Quartett: Chaos (2020)
Windisch Quartett: Chaos (2020)

„Chaos, Pain, Wohin, Zulassen, Easter, Leere, Freude am Zahnrad, Gräit, Wassolldas.“ Die Titel der Tracks und damit unverkennbar Jazz aus den letzten Jahren aus Deutschland. Track-Titel, die reizen, daraus in einem höheren Sinn Lyrik zu machen. Oder Musik.

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In einem höheren Sinn Lyrik sind die Stücke selbst dann auch. Chaos selbst ist derartig unchaotisch, dass es einem um die Ohren fliegt. Dafür reichen heute Mittel wie bestnotierte Homophonie und krummen Zählzeiten. Pain – Schmerz oder Brot? Irrlichtert. Wohin probiert die Kunst repetitiver Permutation in Dauern und Tonhöhen – bevor es sich entlässt in den improvisatorischen Raum. Zulassen endlich, lässt zu, aber auch nicht ganz und schon gar nicht los; sonst hieße es ja auch Loslassen, wenn es das zuließe. Etc. pp.

Herausgekommen ist ein Album, das dadurch besticht, dass es klingt wie mit angezogener Handbremse vom Himmel zu fallen. Der Absturz ist unvermeidlich, aber man hat vorher mal drüber geredet, ganz theoretisch und diskutabel. Ein musikalischer Diskurstunnel in Jazzidiomatik. Man kann nur meckern, dass man darüber nicht meckern kann. Also: Wassolldas? Fabulös musiziert mit ein paar musikalischen Durchblutungsstörungen. Beine hochlegen und träumen – oder: grübeln?

Ich sortiere das ein unter: Chromophoner Jazz.


Windisch Quartett: Chaos
Hout Records

  • Sölvi Kolbeinsson – alto sax
  • Julius Windisch – piano/comp
  • Felix Henkelhausen – bass
  • Max Santner – drums

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