23. Mai 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Es scheint fast so, als würde bei diesem Album das Gedenkjahr 2028 schon seine Schatten werfen. Aber: Auch bei anderen Komponisten werden Raritäten und kurze Stücke höchst selten eingespielt. Also doch eine Produktion, die den Katalog frühzeitig vervollständigt? Darauf deuten zumindest einige Ersteinspielungen hin – auch wenn die damit verbundenen Takte eher wenige sind und marginal bleiben. Jedenfalls in dem hier (nicht) gegebenen Kontext. Denn erst wenn man Schuberts frühe (!) Kontrapunkt-Studien in einem größeren Zusammenhang sieht und darstellt, erschließen sich weitere Zusammenhänge. Dass dies bei einer CD-Produktion nicht geleistet

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Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

An sich eine gute Idee, aus Mendelssohns Jugendwerken nicht nur einige der vielfach eingespielten Streichersinfonien aufzunehmen, sondern auch kleinere Übungen und Ephemera, die doch noch viel mehr über den Unterricht bei Carl Friedrich Zelter und das zur Verfügung stehende ältere Repertoire erzählen. Es sind die auf diesem Album an letzter Stelle stehenden beiden Fugen, die in diesem Sinne die Ohren (und dann auch die Augen) öffnen. Wer das physische Album vor sich hat, sollte für die genauen Nachweise allerdings Spotify bemühen, denn dort werden die Verzeichnisnummern ungewöhnlicherweise umfangreich und korrekt

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Charles Alkan – Mark Viner

Charles Alkan – Mark Viner

Wer schaut schon gern auf seine frühere Zeit zurück? Was haben wir nicht alles für verrückte Pläne und Projekte gehabt! Als ich vor nun bald schon vierzig Jahren einen älteren Professor auf einen Text von ihm ansprach, sagte er mit einem sehr breiten Lächeln, das zu Herzen ging: «Ach, eine Jugendsünde!» Das ist wahre Souveränität. Bei Komponisten ist es auch kaum anders – es sei denn, es wurde so gründlich aufgeräumt, wie es Brahms selbst getan hat. Aber es gibt ja auch die frühen gedruckten Werke. Wie bei Charles Alkan

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Julius Otto Grimm – Sinfonieorchester Münster

Julius Otto Grimm – Sinfonieorchester Münster

Seinen Namen kennt man aus dem Umfeld und der Biographie von Johannes Brahms – und doch ist es immer vergleichsweie still um Julius Otto Grimm (1827–1903) geblieben. Lag es an seinem vergleichsweise geringen kompositorischen Output? Oder an seiner offenbar bescheidenen Persönlichkeit? Oder lag es gar an Münster in Westfalen, das über 43 Jahre sein Wirkungsort war und vielleicht zu abseits lag? Antworten auf diese Fragen werden sich sicherlich nicht im Handumdrehen finden lassen. Umso wichtiger ist es, sein Schaffen erlebbar zu machen. In diesem Sinne legt das Sinfonieorchester Münster unter

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Jörg Widmann – Stuttgarter Kammerorchester

Jörg Widmann – Stuttgarter Kammerorchester

Es ist ein Album, das mit seiner vielschichtigen Konzeption überzeugt. Im Zentrum steht dabei (auch was die Track-List angeht) Jörg Widmanns Ikarische Klage – eine frühe Komposition von 1999, gleichwohl schon wegweisend und keinesfalls für eine spätere Kanzellierung bestimmt. Um Ikarus und seinen Höhenflug geht es auch im übertragenen Sinne über alle drei Werke. Denn bei Felix Mendelssohn und Erich Wolfgang Korngold begann das kompositorische Schaffen schon früh im Kindes- und Jugendalter. Vom Himmel gestürzt ist freilich niemand. Auch wenn Mendelssohn bereits mit 38 Jahren starb, hinterließ er doch ein

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Erkki Melartin – Turku Philharmonic Orchestra

Erkki Melartin. Symphonie Nr. 5

Große Nationalkomponisten waren im ausgehenden 19. Jahrhundert sicherlich ein Segen, wenn es um die kulturelle Selbstfindung und Identifikation ging. Oft genug erwiesen sie sich jedoch auch als Fluch für all jene Komponisten, die fortan im Schatten dieser Riesen blieben. In Finnland etwa hat Jean Sibelius mindestens auf zwei Generationen gewirkt – weniger stilistisch, sondern vielmehr wie ein Mantel, der alles umhüllte und verdeckte. Dabei gibt es so viel Erstaunliches neben und nach ihm zu entdecken – wenn man es denn hervorholt und (ein)spielt. Ein Beispiel sind die Sinfonien Nr. 5

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Alain Planès – Erik Satie

Alain Planès – Erik Satie

Es war einer der stilleren Gedenktage im Jahre 2025 – passend zum Selbstverständnis von Erik Satie (1866–1925) und dem Ausdruck seiner Werke im kleinen Format. Außer der Parade (1917) für die Ballets Russes sind seine weiteren großen Werke kaum bekannt (wie das sinfonische Drama Socrate von 1918 oder zwei weitere Ballette). Dafür aber schwärmen wohl alle Anfänger (und nicht nur die) für die Gymnopédies (1888), mit denen er wirklich Musikgeschichte schrieb. Wie also gedenken? Alain Planès hat zusammen mit seinem Label harmonia mundi einen passablen Weg mit Neueinspielungen gefunden, bei

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Alice Sara Ott – John Field

Alice Sara Ott – John Field

Was bitte ist beim OPUS KLASSIK die Kategorie «Audiovisuelle Musikproduktion des Jahres»? Jedenfalls wurde eine der Special Editions dieses faszinierenden Albums in dieser Kategorie ausgezeichnet. Ist aber vollkommen unwichtig – denn bei John Field (1782–1837) sollte es nun wirklich um die Musik gehen. Da möchte man dem einstigen Traditionslabel Deutsche Grammophon ein herzliches «Guten Morgen» wünschen, dass man nach Dutzenden Einspielungen von Chopin-Piècen dann doch einmal im Jahre 2025 der Weg zu Field geführt hat. Dass Alice Sara Ott diese Produktion spielen darf, ist freilich ein Glücksfall. Natürlich würde ich

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Lucie Vellère – Kammermusik

Lucie Vellère – Kammermusik

Eine stille Stimme aus Brüssel, die ihre eigene Meisterschaft nie nach außen trug. Lucie Vellère (1896–1966) hielt es gar für überflüssig, den Großteil ihres etwa 80 Kompositionen zählenden Œuvres im Druck erscheinen zu lassen: «Verlage sind sehr teuer, und da ich von Grund auf unabhängig bin, […] wollte ich nie einer Gruppierung angehören, um mich von jeglichem Ehrgeiz fernzuhalten.» Tatsächlich knüpft ihre Musik an den einstigen Impressionismus an, interpretiert diesen jedoch konkreter. Aber das ist freilich nur eine erste Momentaufnahme – denn das Doppel-Album stellt nach eigener Auskunft vielfach die

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Wind Serenades

Wind Serenades

Früher waren solche Alben im lokalen Fachhandel nicht sonderlich beliebt. Bei mehr als einem Komponisten gelangten sie rasch unter «Diverse» oder bei sehr guter Kuratierung in ein nach Gattungen sortiertes Regal. Für mich war das damals ein Eldorado, eine Fundgrube mit unerhörtem Repertoire. Wo aber wohl die Wind Serenades einsortiert worden worden? Unter Bläserkammermusik? Sinfonik? Joachim Raff schuf jedenfalls eine Sinfonietta (mit zahlreichen Mendelssohn-Anklängen) Gustav Schreck (1849–1918, zuletzt Thomaskantor in Leipzig) ein Nonett Divertimento und Salomon Jadassohn eine Serenade. Jede dieser Bezeichnungen trägt jeweils andere Topoi und satztechnische Implikationen in

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Rossini – Wind Quartets

Rossini – Wind Quartets

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1985? Mit dem legendären Ensemble Consortium Classicum? Tatsächlich handelt es sich bei der Reihe Preziosa des audiophilen Labels MDG um Schätze aus dem Archiv, die nach ganz persönlichen Kriterien wieder ins Rampenlicht treten. Im Fall der Quartette von Rossini etwa war die Aufnahme zwar als LP, jedoch nie als CD erschienen (obwohl sie digital produziert worden war). Dass es sich nicht um einen «alten Hut» handelt, zeigen zudem die unglaubliche Frische, der Elan und die Musikalität des Spiels. Dass das Consortium Classicum überhaupt zu MDG

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Sondershäuser Harmonie

Sondershäuser Harmonie

Dass die Harmoniemusik auch noch im 19. Jahrhundert an manchen Stellen auf hohem und höchstem Niveau fortlebte, zeigt dieses alles in allem überraschende Album aus Sondershausen. Das auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurückblickende, heutige Loh-Orchester hat nämlich tief im Archiv gegraben und dabei nicht nur Originäres und Herausragendes, sondern auch eine Größeres unterhaltendes Repertoire ans Licht befördert. Es dokument eine offenbar höchstlebendige Musikkultur am Hofe der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, bei der selbst die Blaublütigen zu verschiedenen Instrumenten griffen. Fürst Günther Friedrich Carl I. etwa spielte Pauke und Klarinette und

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