28. Januar 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Lyle Mays – Eberhard

Lyle Mays – Eberhard

Man müsste wohl sehr weit ausholen, wenn man die historische Bedeutung dieser nachgelassenen Aufnahme des amerikanischen Keyboarders Lyle Mays beschreiben müsste, der letztes Jahr am 10. Februar 2020 gestorben ist. Über seine inneren musikalischen Beziehungen zum Bassisten Eberhard Weber, dem er diesen Track von etwas mehr als 13 Minuten verehrt und die am 27. August 2021 erschienen ist. Das Stück flottiert vor sich hin in minimalistischen Bewegungen, zitiert den Klang von Webers Bass, hinter dem mit zahlreichen Ostinati gearbeitet wird die dann quasi in symphonische Texturen übergehen. Alles fließt. Ein

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Takase/Erdmann – Isn’t it Romantic

Takase/Erdmann – Isn’t it Romantic?

It is! Zumindest so ein bisschen. Sogar barock, wenn man es genau nimmt. In jedem Fall üppig an Tönen und an Tongruppen in Sequenzen. Da eislert schon mal nebenbei, bleibt klanglich dabei überaus scharf auf der harmonischen Klinge. Das Duo zeigt sich sehr robust in seiner thematischen Anlage und in seinen Improvisationen. Der Booklet-Text von Bert Noglik erklärt zur Entstehung, dass über die Distanzen Reims (Erdmann) und Berlin (Takase) hinweg in Corona-Zeiten zusammengearbeitet wurde und in einem kleinen Zeitfenster die CD in Budapest innerhalb von drei Tagen aufgenommen wurde. Merkt

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Poulsen/Fryland – Dream a World

Poulsen/Fryland – Dream a World

Gitarre und Trompete treffen sich im vierten Duo dieser Woche. Hasse Poulsen und Thomas Fryland träumen sich anhand zahlreicher Stücke der Musikgeschichte durch Zeit und Raum. Virtuos und beinahe fröhlich. Das ist total nett so. So sauber und zurückhaltend zugleich wollen sie laut Booklet für Hoffnung sorgen („We need hope today. We need it badly.“) Dafür klopfen sie „The Times They Are Changing”, “E Pueblo”. “Hallellujah” … über „Ode to Joy“ oder „Imagine“ bis zu Pink Floyds „Another Brick In The Wall“ ab und gehen dabei keine Risiken ein, was

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Fleischwolf – Einst

Fleischwolf – Einst

Auch nicht ganz alltäglich: Ein Duo, bestehend aus Violine/Viola und Computer. Nennt sich Duo Fleischwolf und besteht aus Gunda Gottschalk (violin, alto, voice), Achim Konrad (computer). Man weiß nicht so ganz, wohin das Duo musikalisch zielt, rauschende Partys sind es nicht, Rauschendes ist es auch nicht. Assoziationen mit dem Bild des Fleischwolfs, durch den da Musik gedreht wird, bieten sich zwar sofort an, aber laufen ins Leere. Das sehen die Musiker:innen allerdings in ihrer Selbstbeschreibung durchaus anders. „Das Paradigma hinter den meisten Tracks dieses Albums: Gunda liefert mit ihren Geigen

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Duo Sonoma I

Duo Sonoma I

Gehört auch nicht zu den gängigsten Kombinationen im Bereich des Jazz. Gitarre trifft auf Violine. Und umgekehrt. Was für eine flinke und intime Musik zaubern dabei die beiden Musikerinnen. Selten findet man diese entspannte Leichtigkeit bei Erstlingsproduktionen. Dass man das locker angeht und doch mit höchster musikalischer Disziplin und Verbindlichkeit, das macht den besonderen Reiz dieses Duos aus. Die CD wird beworben als eine „Sammlung von Eigenkompositionen, die mit unterschiedlichen Zugängen von Klassik bis Jazz und verwoben mit der besonderen kärntner-slowenischen Note neuartig Eigenes entstehen läßt.“ Das kann man so

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Herskedahl, Myhre – Desert Lighthouse

Herskedahl, Myhre – Desert Lighthouse

Diese Kombination von Musikinstrumenten ist doch nicht normal! Tuba trifft auf Orgel. Orgel trifft auf Tuba. Leute, Sachen macht ihr. Und wie großartig. Was für ein klanglicher Tumult zwischen auf den Instrumenten lastenden Traditionen mit all dem Schnick und Schnack von strengem Satz und freier Improvisation. Macht das bitte nie wieder! Das ist definitiv zu gut so. Man wird gleich von Anfang an hineingesaugt in einen Strudel aus Tiefton-Expression und hochkultiviertem Klang. Welche sonderbaren Farben erklingen im Lighthouse Lullaby? Was klar sein sollte, musikalische Geschwindigkeitsräusche sind eher nicht zu erwarten.

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Flat Earth Society – Boggamasta III

Flat Earth Society – Boggamasta III

Also schauen wir mal, was auf der anderen Seite der Erde so an Musik existiert. Köstliche Knackfrösche tanzen da auf Katzenköppen im Kreis und spielen Reise nach Absurdistan. So irgendwie möchten sich die belgischen Künstler:innen vielleicht verstanden wissen. Das machen sie seit über 20 Jahren mit wechselhaftem Erfolg – wie mir scheint. Und gar nicht so schlecht, wie sie von unten her sich in ihren bewusstseinsverengenden Musikstilen austoben ohne doch über die Kante zu kippen. Das sollten sie aber schon machen. Mir ist da immer noch zu viel Kalkül im

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Jost Nickel – The Check In

Jost Nickel – The Check In

Kann man diesem Blick trauen, diesen Socken? Nein, kann man nicht. Denn was hier der Schlagzeuger Jost Nickel mit seiner namhaften Truppe zusammendrechselt, verwindet sich unter unvermeidlichen Tanzschritten. Da klingt so vieles so ungefähr als wie als ob – wie in Track Bloom und doch etwas anders. Geht durch. Man merkt sehr genau, dass da etwas musikalisch zusammengerührt wird, was sein Mindesthaltbarkeitsdatum bisweilen etwas überschritten. Die besten Grooves der 80er, 90er und 00er Jahre (der Pressetext fasst es in den wunderbaren Euphemismus der „zeitlosen Qualität“). In etwa so. Virtuos das

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Luciano Biondini: Dialogues – Enja

Luciano Biondini: Dialogues

Draußen dunkelt es. Es ist warm, die Luft ist getränkt mit Düften des Mittelmeerraumes. Pflanzen hat es hierher aus aller Welt verschlagen. Gesättigte Farben. So die Musik dieser drei Musiker in der etwas seltsamen Besetzung Akkordeon, Klavier und Klarinette. Sie saugen die Musik der Welt auf und legen sie unter Olivenbäume, neben denen reife Zitronen schillern. Melancholie legt sich dazu. In einer raffinierten Art legen sie neue Klangbeete an, auf denen musikalische Gewächse wachsen, die dann per Tonträgerexport an fast jedem Ort der Welt bei den Hörenden nachreifen können. Repetitive

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Fumio Yasuda

Fumio Yasuda – My Choice

Das sitzt von Anbeginn. Bei einer Rezensionsstrecke hört man sich einige CDs im schnellen Durchgang an. Und sagt sich so: Ja, mmmh, interessant. Und dann gibt welche, die ziehen sofort die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Können Sie mir das mal erklären. Dabei sind es doch nur Klaviertöne zu Beginn! „Kakyoku“, der erste Track. Fumio Yasuda hat hier eine CD zusammengestellt mit Stücken anderer, aber vor allem seiner eigenen. Das Konzept kennen die Älteren unter uns von selbstkompilierten Kassetten und CDs, später Sticks, jetzt Playlists. Der Unterschied, die Aufnahmen bestehen aus

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Stefan Goldmann: Live at Philharmonie Berlin

Stefan Goldmann: Live at Philharmonie Berlin

Das Live dürfte manchen Hörenden etwas ulkig vorkommen, kennt man dergleichen doch so gut es geht vom Studio her, nämlich elektronisch erzeugte Klänge. Hier zudem von einer Person allein. Was ist da live? Wozu bedarf es des Publikums. Umgekehrt ist es kein Thema, das Publikum bedarf der Klänge, es geht ja nicht ohne. Dass das alles in der Berliner Philharmonie passiert, zeigt jetzt aber genau was? Dass diese Art elektronischer Live-Musik im Tempel der Hochkultur angekommen ist? Oder nur Platz gefunden hat? Die Platte wirbt ja mit beiden Elementen schon

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Daniel Riegler – Fanfare III

records & other stuff: Fanfare – rocket sciene – HOHNOR

Ein neues Label mit dem Namen aus Österreich „records & other stuff“ widmet sich in seinen ersten drei Veröffentlichungen dem Musikensemble „Studio Dan“. Kein Wunder, denn es ist das Label des Ensembles. Studio Dan gehört zu den Formationen flinker Musiker:innen, die – laut Eigenbeschreibung – spielend „an den Grenzen und Rändern verschiedener Subgenres zeitgenössischer Musik (Improvisation, neue Musik, Jazz und Art Rock)“ herumoperieren. So kann man es jedenfalls im Presseinfobeiblatt lesen. Stimmts? Die drei CDs Fanfare III, HOHNOR und Rocket Science #1 #5 #8 spannen das Feld erstmals auf und

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