Charles KoechlinObwohl zahlreiche seiner Werke inzwischen auf CD verfügbar sind, gehört Charles Koechlin (1867–1950) noch immer zu den am wenigsten aufgeführten großen Komponisten der späten, zur musikalischen Moderne neigenden Romantik. Ohnehin verweigert sich sein individueller Stil jeder Form einer Schubladisierung – was wiederum eine breitere Rezeption erschwert. Tatsächlich weist nahezu jede seiner Partituren Überraschungen auf und bezaubert auf ganz eigene Weise immer wieder neu. In diesem Fall ist es die Seven Stars’ Symphony op. 132 (1933) – eine späte Komposition, wie auch alle anderen seiner insgesamt vier Sinfonien, von denen allerdings nur zwei gezählt sind. Bereits 27 Jahre ist die letzte, längst im Handel vergriffene Einspielung des Werkes her (mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter James Judd). Dabei handelt es sich um ein Werk, das so wohl nur in den 1930er Jahren entstehen konnte: Der universell interessierte Koechlin war auch ein großer Freund des gerade mit dem Tonfilm modernisierten Kinos – ohne allerdings selbst jemals mit Filmmusik in Erscheinung getreten zu sein. Statt dessen schuf er eine Sinfonie, in der er in sieben Sätzen seine persönlichen Leinwandgrößen ganz im Sinne des 19. Jahrhunderts «charakteristisch» portraitierte, musikalisch aber die Idome seiner Zeit aufgriff.
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.