
Vielleicht war Johann David Heinichen (1683–1729) dafür ein exzellenter Vermittler. Protestantisch sozialisiert und am Hof von Zeitz in einer guten Anstellung, ging er 1710 nach Italien. Dort lernte er Kurprinz Friedrich August (nachmals August III.) kennen, der ihn später nach Dresden abwarb. Für den aus politischen Erwägungen zum Katholizismus konvertierten Kurfürsten schuf Heinichen nicht nur Opern, sondern auch liturgische und paraliturgische Werke schuf. Zu letzteren gehören die beiden hier eingespielten Werke auf zwei italienische Libretti – einmal ein Gespräch zwischen Maria, Maria Magdalena, Johannes und dem Hauptmann unter dem Kreuz, das andere Mal eine Wechselrede zwischen Tod und Leben, Buße und Hoffnung. Obwohl in der Karwoche in den klanglichen Mitteln reduziert, sind die Kompositionen höchst anspruchsvoll – Herausforderungen, die das Solisten-Quartett wie auch die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens in jedem Takt glänzend bestehen und auf herausragend selbstverständliche Weise einen Stab für das vielfach vergessene Genre wie auch den nicht mehr ganz geläufigen Komponisten brechen. Eine Form hochvirtuoser Kontemplation.
Johann David Heinichen. Two Passion Oratorios
«Come? S’imbruna il ciel! Occhi piangete» (1728); «L’aride tempie ignude» (1724)
Elena Harsányi (Sopran), Elvira Bill (Alt), Mirko Ludwig (Tenor), Andreas Wolf (Bariton), Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
cpo 555 507-2 (2021)
