3. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion
Jacob Schuback – Brockes-Passion
Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen). Eingespielt wurden inzwischen die Vertonungen von Reinhard Keiser, Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel, Johann Mattheson, Johann Friedrich Fasch und Gottfried Heinrich Stölzel, die alle zwischen 1712 und 1725 entstanden.

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Nun folgt auch die Komposition von Jacob Schuback (1726–1784). Nie gehört? Keine Sorge, das dürfte wohl fast allen so gehen. Schuback wirkte nach seinem Jura-Studium in Göttingen in seiner Heimatstadt Hamburg als Archivar und Syndicus des Senats; als Komponist war er Schüler von Telemann. Ob aber diese Brockes-Passion aus dem Jahre 1754 eine Schüler-Arbeit ist (wie es im Booklet fast entschuldigend heißt), sei dahingestellt. Immerhin haben sich ausgeschreibene Stimmen überliefert. Dass sich das Werk dennoch kaum mit den genannten Meistern messen kann, es aber eine wichtige Rolle innerhalb der Brockes-Vertonungen einnimmt, wird schnell deutlich. 89 Tracks in etwas mehr als zwei Stunden machen die kleinteilige Anlage deutlich. Dabei sind es eher die Arien, die eigene Qualitäten aufweisen – noch im Barock verhaftet und doch zur Empfingsamkeit hinstrebend. Bei der Einspielung handelt es sich um einen Live-Mitschnitt, was sich in einigen Momenten nicht als die Beste aller Entscheidung erweist. So oder so – eine Repertoire-Rarität.

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Jacob Schuback. Brockes-Passion
Theresa von Bibra (Sopran), Franziska Blömer (Sopran), Christian Rohrbach (Alt), Hans Jörg Mammel (Tenor), Matthias Horn (Bass), Matthias Vieweg (Bass), Capella Cathedralis Fulda, L’arpa festante, Franz-Peter Huber

cpo 555 705-2 (2024)

Hörbar #184 – Passionen

Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 5 of 5 in the series Hörbar #184 – Passionen

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