
Hört man das Album in Ruhe durch, wird rasch klar, wie sehr die drei hier eingespielten Werke untereinander korrespondieren – und dies nicht nur mit Blick auf die klanglich prägende reine Streicherbesetzung, sondern auch (im weitesten Sinne) nach Fraktur und Idee. Da schwelgt etwa Korngold in der Mitte des langsamen Satzes in hohen Violinen, um dann doch ganz erdig zu werden. Man hört auch die teilweise kontrapunktisch verzahnten Stimmen – und fühlt sich an Mendelssohn erinnert, der mit tragischem Ernst und polyphonem Satz eine einsätzige Partitur schrieb. Und Widmann? Seine Ikanische Klage ist eben kein bloß programmatisches Werk, sondern reflektiert den mythologischen Sturz des zur höchsten Höhe strebenden mit gleißenden Sonnen-Flageoletts, in die sich mehr und mehr das Dunkel der Bässe Raum verschafft. Den Höhenflug greift auch das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Jörg Widmann auf – und lässt so manch andere Produktion im Nebel verschwinden. Hier zeigt sich, was ein engagiertes, intellektuell durchdrungenes Dirigat alles bewirken kann.
Nachtrag. In der Orchester-Bio findet sich der Hinweis, das SKO wäre das erste deutsche Orchester, das «von Noten auch Tablets» umgestellt hätte. Nun hoffe ich, dass auch die Tablets Noten abbilden können. Mehr aber noch verwundern aber die Fotos von der Produktion (S. 18f.), auf denen eindeutig „echte” Stimmen zu sehen sind.
Felix Mendelssohn Bartholdy. Sinfonie für Streicher h-Moll op. 10 MWV N 10; Jörg Widmann. Ikarische Klage für Streichorchester (1999); Erich Wolfgang Korngold. Symphonische Serenade für Streichorchester op. 39 (1947/48)
Stuttgarter Kammerorchester, Jörg Widmann
Channel Classics CCS 49225 (2021)








