29. November 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Wolfgang Amadeus Mozart – Le Concert de la Loge

Wolfgang Amadeus Mozart – Le Concert de la Loge
Wolfgang Amadeus Mozart – Le Concert de la Loge
Seit einigen Jahren schon überrascht das Ensemble Le Concert de la Loge immer wieder mit aufregenden Einspielungen. Beim Label Aparté waren es noch Alben mit wahren Raritäten (etwa mit heraustagender Musik von Rague, Reicha und Rigel). Seit dem Wechsel zu Alpha ist es grosso modo bloß noch Repertoire. Dazu zählen auch die drei Alben, die als kleine Serie unter dem beiläufigen Titel «simply Mozart» firmieren: Wenn jeweils nur Musik des Salzburger Genies aufgenommen wird, bleibt auch kaum etwas anderes übrig. Den Angelpunkt bilden die letzten drei Sinfonien KV 543, 550 und 551, kombiniert jeweils mit einer der Ouvertüren der «da Ponte-Opern» und einem konzertanten Werk. Ein Konzept, das nun wohl enden wird, das sich aber auch leicht für zumindest drei weitere Sinfonien weiterdenken ließe (Paris, Linz und Prag).

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Die 2021, 2022 und nun 2025 erschienenen Alben unterscheiden sich allerdings voneinander. Man könnte von einer kontinuierlich zunehmenden Reife der Interpretationen sprechen – und meint damit letztlich dann doch nur eine gewisse Abgeklärtheit und einen um sich greifenden Manierismus in den Interpretationen. Während es bei unbekannten Werken leichter scheint, einen ehrlichen eigenen Weg einzuschlagen, ist bei Mozart doch die Auseinandersetzung vielfach mit einer übermächtigen Interpretationsgeschichte spürbar bzw. hörbar. Wie etwas Ungesagtes sagen? Wie den eigenen Kompass ausrichten? Mir scheint, dass das Ensemble unter der Leitung von Julien Chauvin seinen eigenen Kurs ein wenig verloren hat. Natürlich ist alles auf einem technischen Niveau, das kaum Einwände provoziert. Allerdings spricht mich die erhabene Sinfonie Es-Dur KV 543 kaum an – zu glatt, mit etwas zu viel international gewolltem «Style» und entsprechenden Manierismen (deutlich im Menuett), bei denen der große Wurf auf der Strecke bleibt. Diese kritische Sicht wird ausgerechnet durch die kaum einmal zu hörende Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester KV 364 bestätigt, deren Interpretation nahtlos an frühere Höhepunkte anschließt.

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Wolfgang Amadeus Mozart. Ouvertüre zu «Così fan tutte» KV 588, Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester KV 364, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543
Julien Chauvin (Violine), Amihai Grosz (Viola), Le Concert de la Loge

Alpha 996 (2023)

HörBar #171 – Sinfonisches

Polnische Sinfonik – Royal Scottish National Orchestra

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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