31. August 2025 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Simeon ten Holt – Jeroen van Veen

Simeon ten Holt – Jeroen van Veen
Simeon ten Holt – Jeroen van Veen
Ein Projekt, das sich nahtlos in die Diskographie von Jeroen van Veen einfügt. Denn der Niederländer hat sich als Pianist ganz (wenn auch nicht ausschließlich) der minimalistischen und repetitiven Musik verschrieben. Und er spielt die Werke mit einer Poesie, die wiederum selbst als prägend bezeichnet werden muss. Selten agitativ, sondern für gewöhnlich in einem weichen, warmen Wattebad nimmt er sich gerne auch Zeit für enzyklopädische Einspielungen – immer unterstützt vom Label Brilliant Classics. Eine feine Symbiose, die offenbar vieles erst möglich macht.

So wie diese Box mit 20 CDs und der kompletten Klaviermusik von Simeon ten Holt (1923–2012) – mit Werken, die zwischen 1942 und 1998 entstanden und damit zeitlich das gesamte Œuvre umspannen: von Kompositie bis zu Soloduivelsdans IV. Es sind Klavierstücke, die nicht dynamisch wunchern, sondern das Material reduzieren und nachdenklich durcharbeiten – zumeist auf eine Art, die variierend wiederholt oder fortspinnt, sich nicht strukturell verschließt, sondern einen Raum öffnet – karg und doch lichtdurchflutet (wie bei dem dänischen Maler Vilhelm Hammershøi). Im gewissen Sinne ist ten Holt sich über die Jahrzehnte im Ausdruck treu geblieben (auch wenn sich die kompositorischen Techniken und tonalen Bindungen verändert haben): von der Sonate Diagonaal (1959) bis zu Natalon in E (1980). Es ist ein ganz eigener Kosmos, den Jeroen van Veen technisch brillant und beziehungsvoll durchmisst.

Simeon ten Holt. Complete Piano Works
Kompositie (1942–1946); Klaviersonate (1953); Bagatellen Nr. 1–20 (1954); 12 kurze Stücke (1955); Allegro ex Machina (1955); Diagonaal Suite (1957); Muziek voor Pieter (1958); Sonate Diagonaal (1959); Soloduivelsdanses I (1959); Soloduivelsdanses II (1986); Soloduivelsdanses III (1990); Soloduivelsdanses IV (1998); Epigramme (1959); Etüden Nr. 1–5 (1961); Cylus aan de Waanzin (1961); Sekwensen (1965); Interpolations (1965); Aforisme II (1972); Canto Ostinato (1976–1979); Natalon in E (1980); Lemniscaat Parts I & II (1982/1983); Horizon Parts I & II (1983–1985); Incantati IV Parts I & II (1987–1990); Schaduw noch Prooi (1993–1995); Meandres Parts I & II (1995–1998); Aedem Sed Aliter (1995)
Jeroen van Veen, Sandra van Veen, Fred Oldenburg (Klavier
)
Brilliant Classics 96915 (2003, 2005, 2023)

HörBar<< Philip Glass – Tana Quartet

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

    View all posts
hoerbar_nmz

Der HörBar-Newsletter.

Tragen Sie sich ein, um immer über die neueste Rezension informiert zu werden - entweder täglich oder mit den Rezensionen der vergangenen Woche am Sonntag.

Liste(n) auswählen:
DSGVO-Abfrage*

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #163 – minimal & mehr

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.