Antworten auf diese Fragen bleibt dieses Album aus dem westfranzösischen Poitier jedenfalls schuldig – auch wenn der dortige Konzertsaal sensationell sein soll. Im Kern liefern Jean-François Heisser (Klavier und Dirigat) und das Orchestre de Chambre Nouvelle-Aquitaine eine sehr solide Einspielung des 21. Jahrhunderts: spieltechnisch souverän umgesetzt, akustisch transparent wie ausgeglichen aufgenommen. Und doch stellen sich schon beim ersten Hören Vorbehalte ein: Alles klingt bei aller Makellosigkeit ein wenig verhalten, jedenfalls blutleer und ohne den Geist, den ich von dieser Musik erwarte (und schon oft gehört habe). Was also ist passiert? Der Blick ins Kleingedruckte scheint eine Erklärung zu liefern, denn die Einspielungen entstanden 2020/21 – zu einer Zeit, als man hie und da noch mit viel Abstand arbeiten musste. Jedenfalls hat das Label die Produktionen für 2025 « aufgespart», was auch immer damit bezweckt werden sollte. Den langsamen Satz des Klavierkonzerts habe ich schon vielfach poetischer, gleichsam entrückter gehört, das Ende von Ma mère l’oye selbstverständlicher intoniert. Und doch geht von der Einspielung ein gewisser Reiz aus – vielleicht, weil ein gewisses musikantisches Element durchschimmert, besonders spürbar im Tombeau de Couperin.
Ravel. L’Alchimiste
Maurice Ravel. Klavierkonzert G-Dur; Ma mère l’oye; Le tombeau de Couperin (Orchesterfassung); Pavane pour une infante defunte (Orchesterfassung)
Jean-François Heisser (Klavier), Orchestre de Chambre Nouvelle-Aquitaine
Mirare MIR 582 (2020, 2021)
- Ravel / Jean-Francois Heisser