Der Blick aufs Detail zeigt freilich, dass man es bei diesem Album mit dem Jahr 1939 dann eben doch nicht ganz so eng gesehen hat – oder zumindest immer wieder die Perspektive darauf veränderte. Im Booklet finden sich dementsprechend zwar ansprechende Werkbesprechungen, nicht aber eine weiterreichende Reflexion des historischen Phänomens. Und die Produktion? Mit 28 Jahren legte die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete und aus internationalen Wettbewerben als Siegerin hervorgegangene Fabiola Kim damit relativ spät ein Debütalbum vor, verblüfft aber mit dem Repertoire, das von anderen geradezu gemieden wird. Trotzdem: der Doppelpack mit einer Spielzeit von 92 Minuten hätte noch Platz für mehr gehabt. Interpretatorisch überzeugt Fabiola Kim mit einer dem Detail dienlichen Spieltechnik und einer facettenreichen Tongebung, die die zarte Linie ebenso kennt wie den bissigen, aufgerauten Zugriff. Dass die Deutungen zwar «richtig» sitzen, dennoch aber emotional nicht recht berühren und im Ausdruck (aufs Ganze gesehen) seltsam neutral erscheinen, mag vielleicht an der Studioproduktion liegen. Die Münchner Symphoniker unter Kevin John Edusei begleiten und gestalten jedenfalls sehr aufmerksam, klingen mir persönlich aber zu pauschal.
1939
William Walton. Konzert für Violine und Orchester (1938/39); Karl Amadeus Hartmann. Concerto funèbre für Violine und Streichorchester (1939); Béla Bartók. Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 BB 117 Sz. 112 (1938)
Fabiola Kim (Violine), Münchner Symphoniker, Kevin John Edusei
Solo Musica SM 308 (2018, 2019)