27. Oktober 2020 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Symphonies de Salon: Reicha & Beethoven – Le Concert de la Loge

Symphonies de Salon: Reicha & Beethoven – Le Concert de la Loge
Symphonies de Salon: Reicha & Beethoven – Le Concert de la Loge

Ebenfalls vor 250 Jahren geboren, steht Anton Reicha noch immer im Schatten seines Kollegen und Freundes Beethoven. Dabei sollte seine Musik eigentlich schon lange kein Geheimtipp mehr sein. Vor allem seine Kompositionen für ein größer besetztes Kammerensemble lohnen noch immer eine Entdeckung, die mit schönen Farben und wundervollen Klängen belohnt wird. Hier nun ist es ein Werk aus dem Jahre 1827, merkwürdig betitelt mit Grande Symphonie de salon und tatsächlich mit Blick auf den Gattungsrahmen irgendwo im Nirgendwo zu verorten (außer bei Reicha selbst, wie man stilistisch sofort gewahr wird).

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Dass das Concert de la Loge, so der Name der hier fulminant auf alten Instrumenten aufspielenden Formation, vor der Produktion selbst auf Schatzsuche ging, ist auf einem Foto im Booklet dokumentiert, das einem das Herz höher schlagen lässt: Da wird inmitten des sonst so streng beaufsichtigten Lesesaals der Musikabteilung in der Bibliothèque nationale de France tatsächlich aus den originalen Stimmen musiziert… Wie vieles bei Reicha garantiert auch diese Komposition beste Unterhaltung im höheren Sinn.

Die Kombination mit dem fast dreißig Jahre früher entstandenen Septett op. 20 von Beethoven liegt nahe und wird auch in besonderer Weise eingelöst, nämlich mit einem ungeschönt kernig-herben Ton, der auch musikalisch das Terrain zwischen Privatheit und begrenzter Öffentlichkeit austariert. Eine Produktion, die für mich bisher zu den markantesten des Jahres gehört.


Anton Reicha. Grande Symphonie de salon No. 1; Ludwig van Beethoven. Septett
Le Concert de la Loge
Aparte AP 211 (2019)

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