22. Januar 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Gedizlioglu: verbinden und abwenden

Gedizlioğlu: verbinden und abwenden

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #021 – Zeitgenössisches

Das bloße Abgleiten in die Stille ist nichts für Zeynep Gedizlioğlu. Vielmehr entfaltet sie selbst in den Pausen eine Spannung, die es mit der Kraft des Tönenden aufnehmen kann. Es ist eine unmittelbar erfahrbare Expressivität, die von der Musik Gedizlioglus ausgeht – wohl auch, weil sie sich nicht an abstrakten Plänen festhält, sondern den Akt des Komponierens für sich als ein „Hin und Her zwischen Spontaneität und Intellekt“ definiert hat. Die daraus erwachsene musikalische Sprache strotzt nur so vor Selbstbewusstsein und Stärke; sie beschränkt sich nicht auf knappe Abläufe, sondern

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Lento religioso – Amsterdam Sinfonietta / Candida Thompson

Lento religioso – Amsterdam Sinfonietta / Candida Thompson

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Das Motto der CD ist Programm. Entliehen ist es dem dritten Satz der Symphonischen Serenade op. 39 (1947/48) von Erich Wolfgang Korngold, doch erstreckt es sich emotional über alle sieben Tracks, die sich so zu einem großen Charakterbild zusammenfügen. Dramaturgisch schlüssig ist dabei die Kombination von Arrangements und Einrichtungen einzelner Sätze sowie originalen Partituren für Streichorchester: auf der einen Seite Alban Bergs Sonate op. 1 und Wagners Vorspiel zu Tristan und Isolde, auf der zweiten das Adagio aus Anton Bruckners Streichquintett, auf der dritten endlich neben Korngolds eindringlichem Satz ein

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Brahms: Sinfonien – Wiener Symphoniker / Philippe Jordan

Brahms: Sinfonien – Wiener Symphoniker / Philippe Jordan

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Philippe Jordan und die Wiener Symphoniker haben in den letzten Jahren mit ihrer schrittweise erschienenen Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien überzeugt – klanglich ausgewogen und präsent, interpretatorisch gleichermaßen den Traditionen verbunden wie auch frisch im Zugriff. Nun also Brahms. Die Box überrascht (wie vor einiger Zeit auch bei Daniel Barenboim) mit der Entschlossenheit, jede der vier Sinfonien auf eine CD zu bannen, obwohl zumindest Nr. 3 und 4 zu koppeln gewesen wären. Zugleich wurde auf das bei solch einer Gelegenheit oft übliche sinfonische „Supplement“ verzichtet: kein Auffüllen der Spielzeit mit den Haydn-Variationen

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Rott: Orchestral Works – Gürzenich Orchester Köln / Ward

Rott: Orchestral Works – Gürzenich Orchester Köln / Ward

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Was wäre nur aus Hans Rott geworden, wenn schon im Jahr 1880 ein Rauchverbot bei der Eisenbahn bestanden hätte? So jedenfalls hinderte er im Verfolgungswahn mit vorgehaltenem Revolver einen Mitreisenden daran, sich eine Zigarre anzustecken: Brahms hätte Dynamit im Waggon deponiert … Psychisch vollkommen zerrüttet, verblieb Rott für die letzten Jahre seines kurzen Lebens (1858–1884) in der Niederösterreichischen Landes-Irrenanstalt in Wien. Erst mit der sensationellen Uraufführung seiner Sinfonie E-Dur in Cincinnati, über 100 Jahren nach ihrer Vollendung, erwachte wieder die Aufmerksamkeit auf einen Komponisten, über den sich sein ehemaliger Kommilitone

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Beethoven / Barry – Britten Sinfonia / Thomas Adès

Beethoven / Barry – Britten Sinfonia / Thomas Adès

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Unter den viel zu wenigen Produktionen, bei denen Werke von Beethoven mit solchen unserer eigenen Zeitgenossen kombiniert werden, ist diese sicherlich programmatisch eine der interessantesten. Denn dem innersten „Kernrepertoire“, den Sinfonien, werden Partituren nur eines Komponisten an die Seite gestellt, hier und auch in der nächsten Folge Werke des irischen Komponisten Gerald Barry (geb. 1952). Mit Beethoven ist bereits 2008 abseits aller Jubiläen ein gleichermaßen klanglich kantiges wie musikalisch mit hohem Witz versehenes Stück entstanden, eine Szene im Sprechgesang, basierend auf dem Brief vom 6./7. Juli 1812 aus Teplitz an

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Schreker: Complete Orchestral Works Vol. 1 – Bochumer Symphoniker / Steven Sloane

Schreker: Complete Orchestral Works Vol. 1 – Bochumer Symphoniker / Steven Sloane

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #020 – Sinfonisches

Die Musik von Franz Schreker ist im Plattenschrank wahrlich keine Rarität mehr – auch wenn einige Aufnahmen schon lange wieder vergriffen sind. Dass Schre­ker dennoch für viele „Professionals“ wie Liebhaber noch immer ein unbeschrie­benes Blatt darstellt, ist Folge vielfältiger historischer Konstellationen. Da wäre zunächst das frühzeitige Stören und dann Abschneiden seiner Karriere durch die Nationalsozialisten sowie sein nur kurz darauf folgender Tod, die das Œuvre in Vergessenheit geraten ließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Schrekers faszinierend flirrende spätromantische Klangsprache lange Zeit als überkommen, sie passte schlichtweg nicht in die vorherrschende

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Extra Time – La Serenissima / Adrian Chandler

Extra Time – La Serenissima / Adrian Chandler

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #019 – Concerti

Eher Nachspielzeit als Zugabe. So ist dieses Album entstanden, das auf dem Cover den Eindruck einer namhaften Auswechselbank beim Duschen hinterlässt. Dumm nur, dass die Graphik eine wunderbare Chance vergeben hat: Hängt man nämlich die Shirts von „Albinoni“ und „Vivaldi“ einmal um, so hätte sich mit 1729 ein für die eingespielten Werke guter chronologischer Mittelwert ergeben. Entstanden ist die CD mit dem etwas seltsamen Titel „Extra Time“ tatsächlich durch Werke, mit denen am Ende von Aufnahmesitzungen die noch vorhandene Zeit gefüllt wurde. Diese Tracks lagen dann teilweise in der berüchtigten

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Vivaldi: Concerti per violino VIII – Le Concert de la Loge / Julien Chauvin

Vivaldi: Concerti per violino VIII – Le Concert de la Loge / Julien Chauvin

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #019 – Concerti

Seit 2001 erschienen im Rahmen der „Vivaldi Edition“ Jahr um Jahr gleich mehrere Folgen auf CD: Opern, geistliche Vokalmusik, Concerti und Sonaten. Nahezu jede Produktion ist dabei ein Erlebnis: Nicht nur weil das Cover bei jeder Produktion immer wieder überrascht, sondern weil auch verschiedene Solisten und Ensembles verpflichtet werden. Für die allein ihrer Anzahl nach schier endlos anmutenden Konzerte für Solovioline waren dies zuletzt die Accademia Bizantina (mit Alessandro Tampieri), Europa Galante (mit Fabio Biondi) und Il Pomo d’Oro (mit Dmitry Sinkovsky). Nun ist es am Concert de la Loge

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Neopolitan Concertos – Musica Fiorita / Daniela Dolci

Neapolitan Concertos – Musica Fiorita / Daniela Dolci

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #019 – Concerti

Neapel? Oper! So möchte man für gewöhnlich ausrufen. Doch diese Produktion macht deutlich, dass am Fuße des Vesuvs während des 18. Jahrhunderts auch anderes entstand – und dies auf vorzüglichem Niveau. Dass Instrumentalmusik vor allem in Norditalien ein Zuhause hatte, wird zwar nicht in Frage gestellt, wohl aber ergeben sich historisch wie musikalisch ganz neue Facetten. So findet sich ein Violinkonzert von Pergolesi ebenso wie sehr flüssig geschriebene Kompositionen für Violoncello von Francesco Supriani (1678–1753) und Stefano Galeotti (1723–1790). Folgt man dem Einführungstext im Booklet, so erschließt einem das Concerto

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Vivaldi: Concerti per la pietá – Europa Galante / Fabio Biondi

Vivaldi: Concerti per la pietá – Europa Galante / Fabio Biondi

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #019 – Concerti

Mit dieser CD machen sich Fabio Biondi und das Ensemble Europa Galante ein Geburtstagsgeschenk anlässlich des 30-jährigen Plattendebüts. Damals waren es (wie konnte und kann es anders sein) die „Vier Jahreszeiten“ – heute sind es andere Violinkonzerte von Vivaldi. Die Omnipräsenz dieses Zyklus‘ ist nun allerdings einer ganz anderen Sichtweise auf die Vielzahl all der in Venedig entstandenen Werke gewichen: Unter dem Motto Concerti per La Pietà stehen Kompositionen im Zentrum, die musikalisch (wie möglicherweise auch spieltechnisch) all jene Virtuosinnen portraitieren, deren (Vor-)Namen nurmehr wie schemenhafte Gestalten im historischen Nebel

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Tartini: Violin Concertos – Chouchane Siranossian / Venice Baroque Orchestra / Andrea Marcon

Tartini: Violin Concertos – Chouchane Siranossian / Venice Baroque Orchestra / Andrea Marcon

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #019 – Concerti

Noch immer steht das Schaffen des in Padua (und für einige Jahre auch in Prag) wirkenden Giuseppe Tartini (1692–1770) im Schatten seiner eigenen Teufelstriller-Sonate, die ihm in der Rezeptionsgeschichte fast zum Fluch wurde. Denn seine Virtuosität zeigte er nicht nur auf den Saiten, sondern auch in Kompositionen, die kaum einmal auf den Notenpulten landen. Wie bei jedem der großen Meister des Barock kann man auch bei seinen Konzerten auf eine zwischen 1996 und 2010 entstandene Gesamteinspielung (beim italienischen Label Dynamik) zurückgreifen – allerdings mit vielfach eher durchwachsenen Interpretationen. Wirklich neues

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Mayseder: Kammermusik Vol. 4 – Wiener Mayseder Ensemble

Mayseder: Kammermusik Vol. 4 – Wiener Mayseder Ensemble

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #018 – Kammermusik

Nur selten einmal tritt ein Komponist der vermeintlich zweiten Reihe so klar profiliert aus dem Schatten der großen Meister wie Joseph Mayseder (1789–1863). Zu verdanken ist dies dem anhaltenden Engagement und der Spurensuche von Raimund Lissy (seit 1991 Mitglied der Wiener Philharmoniker), der auch eine inzwischen auf sieben CDs angewachsene Reihe mit Einspielungen beim Label Gramola initiiert hat. Mayseder, der auf der Violine zu seiner Zeit eine der tragenden Säulen des Wiener Musiklebens bildete, war als Schöpfer versierter Kammermusik allerdings lange in Vergessenheit geraten – dabei zählt er zu jenen

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