23. September 2021 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Schola Heidelberg / In bedrängter Zeit

Schola Heidelberg / In bedrängter Zeit

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #038 – Musik im Lockdown

Hätten Sie’s gewusst? Bereits im Musicalischen Lexicon (1732) von Johann Gottfried Walther findet sich ein Eintrag zum Thema «Corona» – gemeint war dort allerdings die damals noch bei den Italienern geläufige Bezeichnung für eine gewöhnliche Fermate; sie bedeute ein «allgemeines Stillschweigen, oder eine Pausam generalem». Auch die Schola Heidelberg war 2020 zum Schweigen gezwungen – mit Ausnahme eines «Concertstimmen-Quartetts», das im Sommer des Jahres auf dem Dilsberg oberhalb der Neckarschleife mit gehörigem Abstand ein vordergründig weihnachtliches Programm vorzüglich hell, voll reiner Klarheit einsang. Doch wie leicht hat sich in den

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Hiyoli Togawa / Songs of Solitude

Hiyoli Togawa / Songs of Solitude

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #038 – Musik im Lockdown

Wie Einsamkeit klingen kann, vermittelt Hiyoli Togawa mit ihrer Viola auf diesem ebenso beeindruckenden wie singulären Album. Als im Frühjahr 2020 die Straßen plötzlich leer wurden, kam ihr die Idee, weltweit Komponist:innen um ein aktuelles Stück zu bitten, mit dem die seltsame Zeit des Stillstands kommentiert werden sollte. Entstanden sind auf diese Weise elf zeitgenössische Werke, die alle einen jeweils eigenen Weg gehen: inspiriert durch ein japanisches Volkslied (Hosokawa), beim stillen Hineinhorchen in das Instrument selbst (Federico Gar­dell), mit gesungener Begleitung (Kalevi Aho) oder bis hin zum neunstimmigen, im Multitrack-Verfahren

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Alina Ibragimova / Paganini

Alina Ibragimova / Paganini

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #038 – Musik im Lockdown

Capricen op. 1 von Nicolò Paganini – Alina Ibragimova jedenfalls hat sich diese 24 kleinformatigen Meisterstücke vorgenommen – nicht allein um diese virtuos zu beherrschen, sondern auch musikalisch zu deuten. Die Konzentration auf das Wesentliche, frei von Verpflichtungen und Ablenkungen, muss als ein Glücksfall angesehen werden … Vortrefflich!

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Augustin Hadelich / Bach

Augustin Hadelich / Bach

Teil 1 von 5 in Michael Kubes HörBar #038 – Musik im Lockdown

Frühjahr 2020. Es wird still. Nach all den Absagen von Konzerten, Besuchen und Reisen richtet man es sich daheim ein. Während manche auf dem Sofa «tapfer» gegen das Virus kämpfen, andere ihre Ablage auf Vordermann bringen oder Keller und Dachboden aufklaren, sind alle Musiker:innen dazu verdammt, sich solistisch mit ihrem Instrument auseinander zu setzen. Kann man sich auf dem Klavier noch selbst begleiten, ist bei Streichern (und mehr noch bei den Bläsern) das Repertoire „für sich allein“ stark begrenzt. Vor allem ist es anspruchsvoll. Hier kommt nun der Lockdown ins

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Bjørn Charles Dreyer: Time and Mass

Bjørn Charles Dreyer: Time and Mass

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten

Eine CD, bei der Stille hörbar wird. Auch wenn es für mich immer ein Problem darstellt, wenn eine künstlerische Äußerung als höchst persönliche Seelen­therapie ihres Schöpfers offenbart wird (ist in einem solchen Fall die kritische Auseinandersetzung nicht von Anfang an moralisch-ethisch kompromittiert?), so drängt sich hier nichts auf. Im Gegenteil: Bjørn Charles Dreyer tastet sich mit E-Gitarre oder Piano vorsichtig voran, klanglich unterstützt von einzelnen Musikern und dem Sinfonieorchester aus dem norwegischen Kristiansand. Sinfonisch wird es allerdings an keiner Stelle – eher sind es einzelne und zudem elektronisch verfremdete Klänge,

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Clara Iannotta: Moult

Clara Iannotta

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten

Die beim Label KAIROS erscheinende Serie mit Komponisten-Portraits ist weit mehr als ein repräsentatives Aushängeschild der Ernst von Siemens Musikstif­tung. Es handelt sich eher um eine ästhetisch unvoreingenommene klingende Dokumentation zeitgenössischer Musik. Sie ermöglicht damit einen weiterfüh­renden Diskurs auch abseits einzelner Festivals oder Studioproduktionen, die allzu schnell im Archiv verschwinden. Sie ist Teil eines Vermittlungsprozesses, der die vielfach komplex notierten klangliche Vorstellungen auch abseits einer realisierenden Live-Aufführung erfahrbar macht – und noch dazu in wiederhol­barer Weise, so dass sich die einzelnen Werke auch nachhören lassen. Die so entstehende Vertrautheit mit

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Occurrence

Occurrence – ISO Project Vol. 3

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten

Mit dieser CD schließt ein kleiner, doch konzeptionell wie musikalisch sensationeller Zyklus ab: drei CDs mit nicht weniger als 14 Werken von elf isländischen Komponist:innen, gespielt vom Isländischen Sinfonieorchester, erschienen im Rhythmus von zwei Jahren. Allein die Titel der Alben zeugen von einer beeindruckenden Planung und Dramaturgie, die anders als viele Eintagsfliegen nicht den schnellen Erfolg sucht, sondern überzeugen will: Recurrence, Concurrence und Occurrence. Hier geht es allein um Qualität, und dies in dreifacher Hinsicht, nämlich kompositorisch, interpretatorisch wie auch aufnahmetechnisch. Jedes Album enthält neben der üblichen CD auch eine

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Christopher Gunning

Christopher Gunning

Teil 2 von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten

Dass die Grenzen zwischen den Genres fließend geworden sind, liegt in der Natur einer sich nicht mehr abgrenzenden Ästhetik, die längst die Postmoderne hinter sich gelassen hat. Doch sind die Werke der Grenzgänger wirklich so attraktiv, wie man es sich wünscht? Schon in den 1980er Jahren stolperte Andrew Lloyd-Webber mit seinem persönlich inspirierten Requiem; zudem scheint sich der Abstand zwischen Film-Score und Konzert-Partitur in den letzten Jahrzehnten eher vergrößert zu haben – und dies, obwohl sich ein gewisses «easy listening» breit macht. Kurios: während so manches mehrteilige Kino-Epos musikalisch durch

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Christopher Tyler Nickel: Symphony No. 2

Christopher Tyler Nickel: Symphony No. 2

Teil von 5 in Michael Kubes HörBar #037 – Klanggestalten

Vermutlich wird der eine oder andere Enthusiast für Film und Game Music den Namen von Christopher (Tyler) Nickel (geb. 1978) kennen. Doch auch mit seiner Konzertmusik hat er (so die eher wortreich anpreisende als resümierende Biographie im Booklet) in der «Neuen Welt» Tausende andere erreicht; auf CD oder in realen Konzertprogrammen ist sein Name indes kaum zu finden. Umso mehr muss sich die Partitur selbst beweisen, wie hier im Fall der 2. Sinfonie. Entstanden 2016 und im Vorfeld der vorliegenden Einspielung 2018 nochmals umfassend revidiert, handelt es sich um ein Werk,

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Schubert – Liszt / Can Çakmur

Schubert – Liszt / Can Çakmur

Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #036 – Transkriptionen

Mutig und ein Statement. So lässt sich dieses fulminante Album von Can Çakmur beschreiben. Nach seinem Debüt bei BIS als Gewinner des Ersten Preises bei der Hamamatsu International Piano Competition 2018 – einer Produktion, die wiederum ihrerseits vielfach ausgezeichnet wurde – folgt der 1997 in Ankara geborene Pianist keinem ausgetretenen Pfad, sondern widmet sich einem seiner persönlichen Favoriten: der Lizst’schen Transkription von Franz Schuberts Schwanengesang, einem der phantastischsten Zyklen der Musikgeschichte, ohne dass es sich um einen wirklichen Zyklus handelt. Und so wie Liszt bereits die Liederfolge veränderte, so ordnet

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Bach – Reger / PianoDuo Takahashi / Lehmann

Bach – Reger / PianoDuo Takahashi / Lehmann

Teil 4 von 5 in Michael Kubes HörBar #036 – Transkriptionen

Man muss vermutlich ein maximaler Reger-Freund sein, um sich für seine Bearbeitung der Bach’schen Brandenburgischen Konzerte für Klavierduo zu begeistern. Sie gehören rezeptionsgeschichtlich zu einer Zeit, in der die Originale nicht bloß wenig gespielt wurden, sondern noch dazu in einer Art und Weise, die von den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis noch weit entfernt lag. Verfügbar wurde so zumindest die notierte musikalische Gestalt – ganz so übrigens, wie auch Bach selbst italienische Concerti für Cembalo oder Orgel transkribierte. Wichtig aber auch: Neben der Überführung des Satzes auf zwei Klaviere fügte Reger

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Romantische Lieder / Prégardien, Katsaris

Romantische Lieder / Prégardien, Katsaris

Teil 3 von 5 in Michael Kubes HörBar #036 – Transkriptionen

Selten, viel zu selten begegnet einem ein solches Album. Werden Lieder und Gesänge eingespielt, so sind es sonst meist die großen Zyklen, oder der Fokus wird auf einen einzigen Komponisten gelegt. Dramaturgisch anspruchsvoller sind hingegen solche Produktionen, die in einem konkret oder auch abstrakt formulierten Themenkreis Einzelnes zu neuer Wechselwirkung zusammenfügen. Auch Erweiterungen der Besetzung und des meist eng gezogenen Repertoires sind nur selten anzutreffen; die raren Ausnahmen bestätigen umso mehr die Regel. Bereits 2017 versammelte Christoph Prégardien mit A Matter of Heart (2017) mehrere Lieder mit obligatem Horn und

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