
Das mit «TRACK 1» betitelte Album ist (so heißt es) das erste des Ensembles – aber eben doch nur im weiteren Sinne. Denn schon vor drei Jahren hatte man einen bedeutenden Anteil an einer Portrait-CD mit Werken von Mette Nielsen (dacapo) – der Fokus aber lag dort natürlich anders. Mit dem ersten «Recital» präsentiert sich die Formation sowohl aufgeschlossen und neugierig als auch auf einem eigenen Weg. Mutig ist bereits der Beginn, den man auch doppelt lesen kann: Es war das erste Stück, das sich die jungen Quartettisten vor acht Jahren auf die Pulte stellten, und nun ist es das Werk, mit dessen gewichtigem (und auf Beethoven Bezug nehmenden) Fugato das Album eröffnet wird. Nicht überrumpelnd, sondern leise, zerbrechlich, dann zum zweiten Satz mit einem Crescendo auf einem einzigen Ton übergehend in eine energiegeladene, aber doch kontrollierte Ruppigkeit. Dass das NOVO Quartet auch den satten, in sich gerundeten Sound beherrscht, zeigt wiederum der Einstieg in das Streichquartett Nr. 1 von Carl Nielsen – ein Stück klingender dänischer Signatur. Hingegen hat es die teilweise zart aufblühende und verwelkende Faktur im dreisätzigen Hjerteblad (Herzblatt, 2024) von Matias Vestergård (*1989) schwer, sich innerhalb des markant gesetzten Rahmens zu behaupten. Aber auch hier steht hinter der Wahl eine persönliche Geschichte des Ensembles…
TRACK 1
Dmitri Schostakowitsch. Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110; Matias Vestergård: Hjerteblad; Carl Nielsen. Streichquartett Nr. 1 g-Moll op. 13
NOVO Quartet
Aparté AP 392 (2024)
