12. Mai 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Horn Legacy – Hervé Joulain

Horn Legacy – Hervé Joulain
Horn Legacy – Hervé Joulain
Da tönt es aus dem Wald heraus. Kein anderes Instrument steht in der europäischen Kulturgeschichte näher an der Natur, als das Horn. Gleich ob als schmetterndes Post- oder Waldhorn oder als modernes, vollchromatisches Ventilhorn: Die aus edlem Blech gewickelte Schnecke erfordert einen extrem sicheren Ansatz und viel Gefühl bei der Ausgestaltung der Linien. Ein halbes Jahrhundert schwelte der Streit um den ganz eigenen Klang des (gestopften) Naturhorns und seiner mechanisierten Variante bis hin zu Brahms’ melancholischem Trio. Heute wird diese bautechnische Differenz sogar als kompositorischer Aspekt wieder aufgegriffen…

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Etwas einfacher ist indes das neueste Album von Hervé Joulain gestrickt, dessen Musik man größtenteils als «new classics» schubladisieren möchte. Es sind Kompositionen, die nicht «weh» tun, derer man sich aber auch nicht erinnern wird. Gespielt wird vielfach mit den bekannten Horn-Topoi. Wo es dann doch mal darüber hinausgeht (etwa bei den Glissandi in Ionel Petroïs Solo for H.), ist dies keine Sensation. Das Album ist akustisch ganz auf Hervé Joulain zugeschnitten – der aber seltsamerweise nicht sonderlich weiträumlich eingefangen wurde. Ein Album mit kurzen Stücken und langer Spielzeit (80 Minuten) für Liebhaber, die gefällige Novitäten schätzen.

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Horn Legacy
Jean-Michel Damase. Andante für Horn und Klavier; Richard Dünser. Mirrors of a still Sky für Horn solo; Wolf Kerschek: It’s Still our Dream für Horn, Mellophone, Streicher und Percussion; Gilles Herbillon. Horn de Brune… für Horn solo; Laurent Couson. Elegy für Horn und Streicher; The Rest is Silence für Horn und Orchester; Ionel Petroï. Solo for H. für Horn solo; Pascal Proust. Capriccio für 3 Hörner und Klavier; Didier Benetti. Sur un theme de Georges Enesco für Horn und Orchester; Elise Bertrand. Couleurs-Nacre op. 28 für 3 Hörner, Streicher, Harfe und Pauken; Jean-François Zygel. Hommage à Britten für Horn und Orchester; Laurent Zeller. Sumerki für Violine, Horn und Klavier; Martial Solal. Avlocardie für Horn solo; Charles van Hemelryck. Vers le Soleil für Horn und Orchester; Pierre Badol: Odyssey für Horn und Tape
Hervé Joulain (Horn), Sinfonietta Riga, Kaspars Adamsons

TYXart TXA 25205 (2025)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 1 of 1 in the series HörBar #187 – Horn & Hörner

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