25. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Mark Andre

Mark Andre
Mark Andre
Ruhe, Stille. Die Musik von Mark Andre (*1964) bewegt sich oftmals an den Grenzen des Hörbaren – und sie bewegt sich damit in einem dynamischen Spektrum, das in der breiten Öffentlichkeit (auch im Gespräch und in der engagierten Diskussion) schon nicht mehr wahrgenommen wird. Gerade dieser andere Pol der Kommunikation, ihr konzeptioneller Gegensatz zu allem Plakativen und Lauten, verleiht ihr eine brennende Aktualität. Noch immer – muss man leider sagen, denn die auf diesem Album dokumentierten Live-Mitschnitte der Uraufführungen stammen alle aus den Jahren 2017/18.

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Zwei der eingespielten Kompositionen tragen im Titel das bei Andre schon vertraute Kürzel einer Werkreihe «iv» für «introvertiert», zusätzlich versehen mit einem zweiten Titel: Die insgesamt zwölf Sätze für Streichquartett heißen «Miniaturen», das Orgelstück «Himmelfahrt». Trotz der unterschiedlichen Besetzung sind alle Stücke durch vier neuartige musikalische Parameter geprägt, die ursprünglich aus dem Bereich des Klangs und Charakters kommen: Resonanz, Atem, Hauchen und Flüstern. Die Instrumente werden dabei mit präziser Notation an ihre Grenzen gebracht: die Streicher auf ihren Saiten, die Orgel auch durch Interferenzmuster ihrer Register. Dass sich das kompositorische Konzept auch auf ein Orchester übertragen lässt, zeigt Mark Andre mit woher…wohin, wobei die Besetzung eher wie ein Ensemble behandelt wird. Es ist eine Musik, die Konzentration verlangt, eine Musik für die Stille der Nacht.

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Mark Andre. iv 13 (Miniaturen) für Streichquartett (2014–2017); iv 15 (Himmelfahrt) für Orgel (2018); woher…wohin für Orchester (2015–2017)
Arditti Quartet, Stephan Heuberger (Orgel), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Matthias Pintscher

BR Klassik 900637 (2017, 2018)

HörBar #186 – Miniaturen

Shortcuts – Antonio Ballista

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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