Dass in der vorliegenden Einspielung das Philadelphia Orchestra recht kompakt dasteht, kommt dem noch immer gepflegten Klangideal des renommierten Labels fraglos entgegen. Unbestritten ist auch die Qualität des Orchesters – und dennoch frage ich mich, ob wirklich alle Noten genau ausgehört wurden, oder ob nicht doch vielfach die brillante Routine siegte. Die 2. Sinfonie zeigt für mich hier eine viel zu sehr an die «Neue Welt» erinnernde Außenschicht, dabei entstand das Werk während der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts in den von den Rachmaninows in Dresden verbrachten Wintern. Vergleicht man die Einspielung mit dem von mir noch immer bevorzugten Live-Mitschnitt mit dem London Symphony Orchestra unter Valery Gergiev aus dem Jahr 2008, so liegen Welten zwischen den Produktionen hinsichtlich Atmosphäre, Disposition und Präzision.
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.