
Deutlich wird dies vor allem in den Trois femmes de légende – ein Triptychon mit Charakterskizzen (Le Songe de Cléopâtre op. 180, Ophélie op. 165; Salomé op. 100/2), das man wohl auf diesem Album und vermutlich darüber hinaus als ein Hauptwerk bezeichnen kann und mit seinen virtuos gesetzten Farben noch heute auf dem Podium mitreißend wirken muss. Obwohl sich Mel Bonis einen Freiraum schaffen konnte, um sich dem Komponieren hinzugeben, liegt etwas Tragisches auf ihrer Biographie: Der Versuch, sich aus dem Kleinbürgertum über die Musik herauszuarbeiten, scheiterte fast an der vom Elternhaus aufgedrückten Ehe. Zuvor war sie über César Franck an das Conservatoire gekommen und beeindruckte dort: «Ausgezeichnete Schülerin, sehr intelligent» (Ernest Guirand). Den Stilwandel der 1920er Jahre machte sie nicht mit, sondern verlegte sich im Stillen auf eher sakrale Werke. – Eine Entdeckung!
Mel Bonis. Orchestral Works
Trois femmes de légende pour orchestre (Le Songe de Cléopâtre op. 180; Ophélie op. 165; Salomé op. 100/2); Suite orientale op. 48/2; Les Gitanos. Valse éspagnole op. 15/3; Suite en forme de valses (Ballabile op. 37/3; Interlude et Valse lente op. 38/3; Scherzo-valse op. 35/3); Trois Danses pour orchestre (Bourée op. 62/2; Pavane op. 81/3; Sarabande op. 82/2); Danse sacrée op. 36/2; Le Chat sur le toit (les Amours du chat) für Sopran und Orchester op. 93/2; Noël de la Vierge Marie op. 54/2 für Mezzosopran und Orchester; Le Ruisseau op. 21/2 für Frauenchor und Orchester
Lydia Teuscher (Sopran), Julie Robard-Gendre (Mezzosopran), WDR Rundfunkchor Köln, WDR Sinfonieorchester Köln, Joseph Bastian
cpo 555 752-2 (2024)
