
Dazu trägt auch das vorliegende Album bei – mit der dritten Sinfonie und fünf Ouvertüren zu Opern und Singspielen, die freilich vorerst unerhört bleiben. Zu hören ist allerdings Musik eines Komponisten, der sein Handwerk vollkommen beherrschte und damit auch seine Zeitgenossen begeisterte, in den Partituren aber kaum die Grenzen des Machbaren erreichte oder überschritt. So auch in der Samori-Ouvertüre, die überaus fleißig und kunstvoll kontrapunktisch arbeitet, den musikalischen Satz aber nicht zu etwas Neuem transzendiert. Ähnlich ergeht es dem gesamten Album. Denn das Münchner Rundfunkorchester vermag es auch unter der Leitung von Howard Griffiths nicht, den Geist der Musik gänzlich wiederauferstehen zu lassen. Dazu fehlt es am Ende doch an einem historischen Instrumentarium – auch wenn Griffiths Klang und Artikulation in diese Richtung bewegt. Und genau hier ist dem Label ein Vorwurf zu machen: Bei aller Entdeckerfreude im übervollen Repertoire bedarf es eben doch auch eines Klangkörpers, der die Partituren in jeder Weise adäquat zu interpretieren weiß (und dies nicht nur an dem einen Tag der Produktion). So mag es symptomatisch sein, dass die Ouvertüre zu «Der Kaufmann von Smyrna» hier am Ende steht, auf einem Album des Freiburger Barockorchesters aber am Anfang und eine ganz andere, authentische Farbigkeit und Fülle entfaltet.
Georg Joseph Vogler. Sinfonie C-Dur «Scala»; Ouvertüre zu «Gustaf Adolf och Ebba Brahe»; Ouvertüre zu «Samori»; Ouvertüre zu «Castor und Pollux»; Ouvertüre zu «Die Kreuzfahrer»; Ouvertüre zu «Der Kaufmann von Smyrna»
Münchner Rundfunkorchester, Howard Griffiths
cpo 555 373-2 (2022)








