15. Februar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren

Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren
Vogler – Scala Sinfonie & Ouvertüren
Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts durch Otto Jahns grundlegende Mozart-Biografie bekannt wurde, wie sich das Salzburger Genie über den in ganz Europa präsenten musikalischen Tausendsassa mokierte, verschwand auch das letzte von Georg Joseph Voglers Werken alsbald aus dem standardisierten Repertoire – nämlich seine dritte und letzte Sinfonie C-Dur, die mit ihrem kontrapunktisch angelegten Finale wohl als Replik auf Mozarts Jupiter-Sinfonie (KV 551) zu verstehen ist, am Ende dann aber doch die spielerische Dichte und Konzentration des Originals nicht annähernd erreicht. Auch wenn sich der Ruhm des Abbé Vogler (1749–1814), der sich über 150 Jahre hinweg verflüchtigt hat, nicht wiederherstellen wird, so war er doch eine Persönlichkeit seiner Zeit, die auf lange Sicht nicht ignoriert werden sollte

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Dazu trägt auch das vorliegende Album bei – mit der dritten Sinfonie und fünf Ouvertüren zu Opern und Singspielen, die freilich vorerst unerhört bleiben. Zu hören ist allerdings Musik eines Komponisten, der sein Handwerk vollkommen beherrschte und damit auch seine Zeitgenossen begeisterte, in den Partituren aber kaum die Grenzen des Machbaren erreichte oder überschritt. So auch in der Samori-Ouvertüre, die überaus fleißig und kunstvoll kontrapunktisch arbeitet, den musikalischen Satz aber nicht zu etwas Neuem transzendiert. Ähnlich ergeht es dem gesamten Album. Denn das Münchner Rundfunkorchester vermag es auch unter der Leitung von Howard Griffiths nicht, den Geist der Musik gänzlich wiederauferstehen zu lassen. Dazu fehlt es am Ende doch an einem historischen Instrumentarium – auch wenn Griffiths Klang und Artikulation in diese Richtung bewegt. Und genau hier ist dem Label ein Vorwurf zu machen: Bei aller Entdeckerfreude im übervollen Repertoire bedarf es eben doch auch eines Klangkörpers, der die Partituren in jeder Weise adäquat zu interpretieren weiß (und dies nicht nur an dem einen Tag der Produktion). So mag es symptomatisch sein, dass die Ouvertüre zu «Der Kaufmann von Smyrna» hier am Ende steht, auf einem Album des Freiburger Barockorchesters aber am Anfang und eine ganz andere, authentische Farbigkeit und Fülle entfaltet.

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Georg Joseph Vogler. Sinfonie C-Dur «Scala»; Ouvertüre zu «Gustaf Adolf och Ebba Brahe»; Ouvertüre zu «Samori»; Ouvertüre zu «Castor und Pollux»; Ouvertüre zu «Die Kreuzfahrer»; Ouvertüre zu «Der Kaufmann von Smyrna»
Münchner Rundfunkorchester, Howard Griffiths

cpo 555 373-2 (2022)

HörBar #178 – V… (diverse)

Vivaldi – op. 8

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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