
Da mag es einer aber ganz schön wild. Stefan Schulze hämmert auf seine Tasteninstrumente verschiedener Art ordentlich ein in «Glitch God». Das ist gut! Das Klavier und seine speziellen Abkömmlinge sind zum wesentlichen Teil eben auch Schlaginstrumente. Da kennt Schultze keine Gnade. Es wird gepulst und gepusht, bis kein Ton mehr auf dem anderen steht.
Und dazwischen dann? Lyrische Linien zum Niederknien, zartes Zupfen und Ausweiden, schier unendlich gebogener Repetitionen. Das hört sich gut an. Hinter jeder Ecke, meint: hinter jeder musikalischen Phrase, könnte ein neuer Gedanke, präpariert, hervorlugen. Und schon ist er auch da. Und dann gibt es dazu noch, on top, mal eine Leere aus Leerlauf. Einfach machen, so. Einfach laufen lassen. Dann wieder bändigen und formen.
Alle 9 Tracks des Albums stehen ganz für sich, verfolgen verschiedene Muster und Ideen. Die Formulierung aus dem Beipackzettel: «a forward-looking piano record situated between deep listening, glitch aesthetics, and 21st-century keyboard futurism. Glitch God, Come Hither asks what piano music can be today – and what it might become» trifft es ganz gut, wenngleich in ihr auch ein bisschen Präpotenz mitschwingt. Das musikalisch-ästhetische Kaleidoskop hat natürlich dazu auch Farben, die hier nirgendwo angesprochen werden, und sei es auch nur – gähn – Langeweile. Obwohl … – nee, war nur Spass.
Stefan Schultze – Glitch God (Come Hither) [2025]
DL self-released & Long Time No Sleep (VÖ: 14.11.2025)









