4. Februar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

New Music for Kunstharmonium and Piano

New Music for Kunstharmonium and Piano
New Music for Kunstharmonium and Piano

Was für eine sonderbare Instrumenten-Konstellation: ein Duo aus Kunstharmonium (Jann Hennig) und Klavier (Ernst Breidenbach). Für dieses Tandem sind auf einem Album, das bei NEOS erschienen ist, zehn Kompositionen verfasst worden: Karola Obermüller, Tommy Ballestrem, Alois Bröder, Christoph Schickedanz, Peter Gilbert, Toni Völker, Oliver Kolb, Marko Zdralek, Johannes Matthias Michel und Michael Pelzel befüllen die CD mit mehr Musik, als draufpasst. Einzelne Parts wurden daher auf die bekannten Streaming-Plattformen ausgelagert.

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Entstanden ist ein Panoptikum aus verwegenen Kompositionen, deren Klangpfund in der seltenen Instrumentenkombination liegt. Das ist mal farbiger, mal monochromer im Ergebnis, macht dichter und mal dünner. Karola Obermüllers Komposition «Urwaldblumen», einer Femmage an Sophie Scholl, ragt ein wenig aus den zehn Stücken, die zwischen 2025 und 2022 komponiert wurden, heraus. Es wirkt in der ganzen Machart so zart wie klar, so originell wie selbstverständlich. Es werden klangbildliche, rhythmische und dynamische Entwicklungen ganz eigenartig in der Komposition verwoben und in parallele Dimensionen der Wahrnehmbarkeit gelegt. Da spürt man Eleganz im Tonsatz und die Bereitschaft, hörend mitzunehmen, dass zu einem gesprochen werde. Die beiden Instrumente treffen eher aufeinander, als dass sie der Tendenz folgen, sich zu vermischen. Das ist faszinierend. Auch ganz unabhängig vom Duo-Klang, wenn beispielsweise bei Marko Zdralek «schneeferner» Tonkristalle zu platzen scheinen.

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Anders faszinierend ist dann Tommy Ballestrems «Fantasie», die eher an die Spielwerke eines 100-jährigen Tonsatzes erinnert – wie manche andere Komposition auf dem Album ebenfalls, die wie bei Oliver Kolb Stück nicht mit Bezügen in französische Musikpraxis zu Anfang des 20. Jahrhunderts zurückweisen – und eine überaus lockere Atmosphäre erzeugen lässt, ein wenig wie dann ein virtuoses Kurzpassspiel beim Fussball.

Zwischen diesen beiden Werken entfalten sich dann die anderen Werke panoptisch in ihrer speziellen Machart und Wirkung. Die beiden Musiker Jan Hennig (Kunstharmonium) und Ernst Breidenbach (Klavier) glückfallen!


New Music for Kunstharmonium and Piano [2025]

[01] Karola Obermüller (*1977): Urwaldblumen (2020) – [02] Tommy Ballestrem (*1972): Fantasie für Klavier und Kunstharmonium (2016) – [03] Alois Bröder (*1961): Trois Scènes (2015/16) – [04] Christoph Schickedanz (*1969): Ein feste Burg ist unser Gott (2021) – [05] Peter Gilbert (*1975): Meditation Upon the Awakening of a Spirit to Compassion & Love (2017) – [06] Toni Völker (*1948): Polychromie (2017) – [07] Oliver Kolb (*1963): Paysage sous-marin (2017) – [08] Marko Zdralek (*1973): Schneeferner (2020–2022) – [09] Johannes Matthias Michel (*1962): Ich zeige dir den Mond durch einen Frühlingsbaum (2021) – [10] Michael Pelzel (*1978): “… as if in unknown land …” (2022)

Duo Pianarmonio: Jan Hennig, Kunstharmonium und Ernst Breidenbach, Klavier

NEOS 12504 (VÖ: 30.05.2025)

Autor

  • Martin Hufner. Foto: Kurt Hufner

    Martin Hufner ist Musikjournalist, Musikwissenschaftler, Blogger. Er betreut nebenbei die Online-Redaktion der neuen musikzeitung.

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hoerbar_nmz

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