Aber auch die vorliegende Produktion macht es einem nicht leicht. Da ist zunächst das Marketing: Das Booklet (nur englisch / französischer Text) preist die Veröffentlichung der Einspielung als zum «tenth anniversary of Seong-Jin Cho’s first price victory in the 2015 Warsaw Chopin Competition» an. Wenn man das konsequent weiterdenkt, kann einem schwindlig werden: So viele Wettbewerbe, Preisträger und dann auch noch Jubeljahre lassen sich nur schwer verkraften. Welche Rolle spielt da noch das Kleingedruckte mit den Aufnahmedaten von 2023/24… Aber auch die Einspielung hat ihre Tücken. Dass technisch auf hohem Niveau gespielt wird, versteht sich von selbst. Doch die Akustik macht Probleme, denn einerseits wurden die Mikrofone offenbar weit in den Saal gestellt, so dass im G-Dur-Konzert Klavier und Orchester bisweilen distanziert und vernebelt wirken, während einzelne Linien (Holzbläser) gegenüber den Streichern deutlich hervortreten – wie übrigens auch in der Mitte des ersten Satzes das Harfen-Flageolett. Hier sind Spielereien am Mischpult zu vermuten. Bei aller Klangästhetik gerät dabei die eigentliche Poesie der Musik in den Hintergrund.
Maurice Ravel. Klavierkonzert G-Dur; Konzert für Klavier linke Hand und Orchester D-Dur
Seong-Jin Cho (Klavier), Boston Symphony Orchestra, Andris Nelsons
Deutsche Grammophon 486 6820 (2023/24)