Es sind Sätze, die in nahezu systematischer Ordnung zum Druck gelangten: von durchsichtigen Sätzen à 3 über Verdichtungen à 4 und à 5 bis hin zu sechsstimmigen Werken mit kompakter Faktur. Der Übergang von der nicht zu unterschätzenden Geringstimmigkeit zu den komplexeren Klängen erfolgt dabei fließend – weltliche Texte stehen neben geistlichen, zwei instrumentale Fantasien bilden einen Gegenpart. Auch wenn Byrd selbst bereits mit Blick auf seine Kompositionen bemerkte, «je öfter man sie hört, desto mehr Gefallen findet man daran» (erstaunlich, wie diese Aussage über 400 Jahre hinweg in immer neuen Formen begegnet), so bleibt dennoch die Frage nach der Interpretation. In der Maximalbesetzung singt das Ensemble The Sixteen etwa mit 20 Sänger:innen und verändert die vielleicht für nur wenige Ausführende in Privatandachten gedachten Sätze hin zu chorischer Stimmfülle in größerer Akustik, während die Fantasien von Fretwork sehr kammermusikalisch eingefangen wurden. Für mich ergibt sich hier eine hörbare Diskrepanz, über die sich allerdings das ansonsten sehr informative Booklet ausschweigt.
William Byrd. Psalmes, Songs and Sonnets (1611)
The Sixteen, Fretwork
Coro COR 16193 (2022)
- On Byrd’s Wings / Boreas Quartett Bremen
- The Honour of William Byrd
- Byrd / Psalmes, Songs and Sonnets (1611)
- Byrd / My Ladye Nevells Booke
- Byrd / Mass for five voices