2. Oktober 2022 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Helena Munktell

Helena Munktell
Helena Munktell

Sie pendelte je nach Saison und Jahreszeit zwischen Schweden und Paris und wusste den ihr in der Seine-Metropole als Komponistin entgegengebrachten Respekt sehr zu schätzen. So bemerkte Helena Munktell (1852–1919) geradezu programmatisch: «Es wäre dumm, zu Hause zu bleiben, wo kein Platz für einen ist! Besser im Ausland bereitwillig empfangen zu werden, als zu Hause gnädigerweise geduldet zu sein.» Nach einer grundlegenden Unterweisung in Stockholm (Klavier, Gesang und Komposition) wandte sie sich 1870 zunächst nach Wien, einige Jahre später aber nach Paris, studierte dort bei Benjamin Godard und Vincent d’Indy. Obwohl in Stockholm 1889 ihr Einakter I Firenze mit Erfolg Premiere hatte, wurde Helena Munktell als Komponistin eher in Frankreich wahrgenommen. Hier erschienen auch zahlreiche Werke von ihr im Druck – darunter auch die Violinsonate op. 21 (1905), die George Enescu in einem Konzert der Société Nationale de Musique uraufführte.

Außergewöhnlich breit ist das Œuvre von Helena Munktell gefächert. Neben dem erwähnten Einakter finden sich Kantaten, Chormusik und Lieder sowie seit den 1890er Jahren auch Orchesterpartituren – jedoch auffallenderweise nur wenige Werke für Klavier allein. Helena Munktell tritt damit aus dem musikalischen Rahmen des bürgerlichen Salons heraus; die großformatigen Partituren (wie auch die Oper) liegen längst eingespielt vor. Nachdem die Violinsonate erst kürzlich durch Cecilia Zilliacus und Bengt Forsberg auf einem Album mit weiteren schwedischen Werken vorgelegt worden war (db Productions), folgte nur ein halbes Jahr später eine weitere Einspielung – was nicht nur als ein Zeichen anhaltender Schatzsuche zu verstehen ist, sondern auch die Qualität der Musik bezeugt. Tobias Ringborg und Peter Friis Johansson interpretieren die e-Moll-Sonate denn auch als große Musik; bemerkenswert ist darüber hinaus die als Appendix beigefügte ursprüngliche (längere) Fassung des Scherzos – ein Bonus, den man sonst nur bei ganz anderen Namen und Werken antrifft. Das «Kleine Klaviertrio» darf als Jugendwerk durchgehen, hingegen stehen die im Jahre 1900 bei Leduc in Paris im Druck erschienenen Dix Mélodies ganz auf der Höhe der Zeit. – Mit dem Album wird der internationale Rang der Komponistin Helena Munktell eindrücklich bestätigt.

Helena Munktell. Sonate für Violine und Klavier e-Moll op. 21; Dix Mélodies; Kleines Trio; Scherzo (ursprüngliche Fassung) aus der Sonate für Violine und Klavier e-Moll op. 21
Tobias Ringborg (Violine), Sofie Asplund (Sopran), Kristina Winiarski (Violoncello), Peter Friis Johansson (Klavier)

BIS 2204 (2019)

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Teil 5 von 5 in Michael Kubes HörBar #063 – It's a Girl!