21. März 2019 nmz – HörBar – täglich dabei und abgeört
Rolf Riehm: Die schrecklich-gewaltigen Kinder für Koloratursopran & großes Ensemble

Rolf Riehm: Die schrecklich-gewaltigen Kinder für Koloratursopran & großes Ensemble

Die griechische Mythologie ist schon länger ein Gravitationszentrum im künstlerischen Kompass von Rolf Riehm, der Mythos als narratives Möglichkeitsfeld von Erkenntnis. Gediegen bildungsbürgerlich wird das bei Riehm aber nie. „Die schrecklich-gewaltigen Kinder“ (2012), hier in einem bezwingenden Live-Mitschnitt der Frankfurter Uraufführung mit dem Ensemble Modern zu hören, basiert zum Großteil auf der „Theogonie“ von Hesiod, ein Urmythos der Unterdrückung mitsamt daraus resultierendem Vatermord. Riehm hat daraus ein Epos gemacht, das über weite Strecken monodisch von einem aberwitzigen Koloratursopran getragen wird, dessen „Erzählung“ zwischen fragmentarischen Text-Bildern und vokaler Abstraktion schwankt. Der

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Fabio Nieder: Obraz :::

Fabio Nieder: Obraz

Fabio Nieder gehört zu den im besten Sinne eigenwilligen Komponisten, der in keine gängige Schublade passt, auch nicht in die von „Minimalismus“ und „Einfachheit“. Nieders Klangpoesie wird gespeist von ganz unterschiedlichen volksmusikalischen Quellen, insbesondere Südosteuropas. Das Lied ist also – ob mit oder ohne Stimme – ein wesentlicher Impuls, so auch in diesem Portrait, das einen weiten Bogen schlägt von lyrischen Klavierstücken bis zu akusmatischer Musik. Da erfreuen Kleinode pianistischer Reduktion ebenso wie hybride Klangräume in schrägen Mischungen elektronisch angereicherter Vokal- und Perkussionsklänge. (stradivarius) Fabio Nieder: Obraz ::: Aldo Orvieto,

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Marco Stroppa: Kammermusik „Space“

Marco Stroppa: Kammermusik „Space“ | Ensemble KNM Berlin

Forschung und Kunst sind für Marco Stroppa zwei Seiten derselben Medaille, was sich in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem musikalischen Raum und den möglichen Klangdifferenzierungen in ihm niedergeschlagen hat. Die Räume, die Stroppa in dieser „space“ benannten WDR-Produktion entworfen hat, kommen jedoch völlig ohne elektronische Erweiterungen aus, an Differenzierung und Tiefenperspektive mangelt es ihnen trotzdem nicht. Dem äußerst vital und minutiös agierenden Ensemble KNM Berlin verdanken sich hier elektrisierende Kammermusikformate: Die „Hommage à Gy. K.“ für Klarinette, Viola und Klavier (1997–2008) erweist einem Meister musikpoetischer Aphoristik mit konzisen Klangbildern die

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John Coltrane: Both Directions At Once: The Lost Album

John Coltrane: Both Directions At Once – The Lost Album

Von einem anderen Kontrast kündet der Titel „Both Directions At Once: The Lost Album”, das 1963 sorgfältig produziert, dann vergessen wurde und sich nur durch den Zufall erhalten hat, da sich eine Mono-Kopie in Familienbesitz befand. Gemeint ist der Versuch von Coltranes Plattenfirma Impulse! zweigleisig zu fahren, einerseits wagemutige, in die Zukunft weisende Coltrane-Werke zu veröffentlichen, andererseits Alben die ein breiteres Publikum ansprechen konnten wie „Ballads“ oder das Album mit dem Sänger Johnny Hartman, das zufällig am nächsten Tag produziert wurde. In dieser Trouvaille erleben wir beides: Songs wie „Nature

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Miles Davis: Ascenseur pour l’échafaud

Miles Davis: Ascenseur pour l’échafaud

Wie Jeanne Moreau durch das nächtliche Paris irrt, den Geliebten sucht, der für sie zum Mörder wurde, wie sie hofft und bangt, Selbstgespräche führt, das hat sich ins kollektive Unbewusste eingegraben, das machte sie zum Star – doch vermutlich hätte man diese Szenen des Films „Fahrstuhl zum Schafott“ längst vergessen, hätte nicht Miles Davis dazu Musik geschaffen, die an die Nieren geht, auch wenn man die Bilder nicht sieht. Louis Malle, der Regisseur von „Ascenseur pour l’échafaud“ erinnert sich: „Was er machte, war einfach verblüffend. Er verwandelte den Film. Ich

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Miles Davis & John Coltrane: Bootleg Series 6: The Final Tour

Miles Davis & John Coltrane: Bootleg Series 6: The Final Tour

Als Miles Davis 1960 nach Europa kam, hatte er endlich seine eigenen Musiker dabei – ein Zeichen, dass er nunmehr ein internationaler Star war. Doch eher missmutig absolvierte John Coltrane 1960 diese Tournee mit dem Trompeter und mürrisch klingt er bisweilen auch auf seinen letzten Auftritten als Sideman; danach trennten sich ihre Wege (sieht man von einem Studioalbum des Jahres 1961 ab). Ob er wütend ist, fragt ihn ein schwedischer Deejay in einem Interview, das sich als Zugabe auf „The Final Tour“, Vol. 6 der „Bootleg Series”, findet, das die

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George Crumb:Metamorphoses (Book 1) - Ten Fantasy-Pieces (after celebrated paintings) for Amplified Piano

George Crumb: Metamorphoses (Book 1) – for Amplified Piano | Margaret Leng Tan, Klavier

Mit „Makrokosmos“ hatte George Crumb einen der außergewöhnlichsten Klavierzyklen des 20. Jahrhunderts geschaffen, mehr als 40 Jahre später lässt der 90-jährige Amerikaner die „Metamorphosen“ (2015–17) folgen, zehn „Fantasie-Stücke“ nach Lieblings-Gemälden des Komponisten (zumeist aus der frühen Moderne). Crumbs ganz persönliche „Bilder einer Ausstellung“ setzen dabei viele schon aus dem „Makrokosmos“ geläufige Mittel ein. Das Nächtliche, Unergründliche, ja Schauerliche steht dabei besonders im Fokus und manifestiert sich „mit dunkler Energie“ in tiefsten Registern, gespenstischen Saiten-Glissandi und verstörenden Lauten seitens Margaret Leng Tan. Die „Clowns at Night“ nach Chagall werden auf diese

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