19. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
David Bergmüller – Rhétorique du silence

David Bergmüller – Rhétorique du silence

Ein Album, das sich mit seinen Metadaten und dem Booklet hervorragend für ein Blockseminar zum Thema «Redaktionsarbeit» eignet. Es mag ja angehen, dass gelegentlich das «Design» wichtiger als der «Content» ist. Und doch sollte nicht bloß alles Notwendige mitgeteilt sein, sondern es sollte auch «stimmen». Die separaten Listen der Komponisten und ihrer Werke auf dem Backcover gleicht jedenfalls einem Wimmelbild: Die Titel (übrigens miest unvollständig, und dass es sich beiden Sätzen von Visée um eine Suite handelt, wird unterschlagen) stehen vollkommen separat. Wer sucht, findet auf der vorletzten Seite des

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Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Es kommt nicht oft vor, dass ein einzelnes Instrument einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Bei der sogenannten «Rauwolf-Laute» ist das die Ausnahme. Sie wurde als Renaissance-Instrument (wohl 7- oder 8-chörig) von Sixtus Rauwolf in Augsburg um das Jahr 1590 gebaut. Eine «Modernisierung» zur Barocklaute (nun 11-chörig) erfolgte 1715 durch Leonard Mausiel in Nürnberg, was durch einen «Zettel» belegt ist. Dass sich die Laute über die Jahrhunderte erhalten hat (wie nur wenige andere Instrumente aus der Werkstatt von Rauwolf), ist schon Zufall genug. Dass sie nach einer sorgfältigen Restaurierung auch spielbar ist,

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Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Dass Musikgeschichte nicht immer einfach zu entschlüsseln ist, zeigt sich an der unspektakulären Biographie von Johann Georg Weichenberger (1676–1740). In Graz geboren, findet man ihn ab 1700 in den Diensten des Wiener Kaiserhofes (in der Buchhaltung!), und doch scheint er einer der wichtigsten und prägendsten Lautenisten in der Donau-Metropole gewesen zu sein. War er nun aber ein sehr begnadeter Virtuose aus dem Bürgertum oder erhielt er seine Anstellung eher pro forma, um an anderer Stelle dem Hof musikalisch zu dienen? Eine Frage, die vielleicht marginal erscheint, aber Grundsätzliches für die

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Alon Sariel – Johann Sebastian Bach

Alon Sariel – Johann Sebastian Bach

Wer Alon Sariel kennt, weiß um seine vielfältigen instrumentalen Fähigkeiten, die bei Einspielungen von Musik nur für Mandoline oft zu kurz kommen. So auch wieder bei jüngeren Produktionen. Daher hier nun der Rückgriff auf ein Album, bei dem er eine breite Sammlung unterschiedlichster Zupfinstrumenten vorstellt: Erzlaute, Barockgitarre, Liuto attiorbato, Oud. Das wirklich Faszinierende daran ist, wie flexibel sich Bachs Musik auch hier einmal mehr zeigt. Schon seine eigenen Präludien für Laute finden sich heute in Klavieralben. Hier nun werden zwei komplette Werke und einige Sätze aus den Suiten für Violoncello

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Vivaldi – op. 8

Vivaldi – op. 8

Heute hat sich ein Dauerbrenner unter die «V… (diverse)» verirrt. Es sind die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Glücklicherweise ein Album, auf dem die weltbekannten Concerti nicht als Pflichtaufgabe abgeschnurrt werden, sondern in einem vielfach neuen Licht erstrahlen. Damit wird zwar nicht der bedrohliche und für alle spürbare Klimawandel aufgehoben: Ich habe im Winter seit vielen Jahren keinen permanent liegenden Schnee mehr gesehen, und verlassen im Sommer schon seit Jahren meine schöne Schreibtisch-Gaube als «bio-deutscher Klimaflüchtling». Adrian Chandler und dem Ensemble La Serenissima gelingt indes eine Neudeutung des Klassikers, ohne

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #178 – V… (diverse)
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Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae

Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae

Gelegentlich wird einem schmerzlich bewusst, wie viele Einspielungen in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Katalog verschwunden sind. Dieser Prozess begann in den 1980er Jahren mit dem Medienwechsel von der LP zur CD und setzte sich im 21. Jahrhundert mit dem allmählichen Sterben großer und kleiner Labels fort. Vor allem gingen viele nationale Serien verloren: in Dänemark etwa die Dansk Musik Antologi, die es erst gar nicht auf CD schaffte, in den Niederlanden dann das Label NM Classics – eine Zusammenarbeit zwischen dem 2013 aufgelösten Centrum Nederlandse Muziek und Radio Netherlands

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Janitsch – Freitagsakademie

Janitsch – Freitagsakademie

Noch vor einiger Zeit war es schwierig, überhaupt eine Einspielung mit Musik von Johann Gottlieb Janitsch (1708–1763) zu finden. Inzwischen liegen gleich mehrere Alben mit herausragender Kammermusik aus seiner Feder vor – Kompositionen, die beim ersten Höreindruck noch mehr der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verpflichtet scheinen, die aber hinter ihrer vielfach kontrapunktisch inspirierten Faktur viel galanten Ausdruck verbergen. Ein doppeltes Vergnügen, das auch noch Johann Friedrich Reichardt im Jahre 1775 begeisterte: «Keiner beut unserem Verstande so viel Unterhaltung, so viel Nahrung.» Zunächst in Rheinsberg, später auch in Berlin war

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Calcutta – 1789

Calcutta – 1789

Selbst auf alte Schlagertexte kann man sich nicht mehr verlassen. Kalkutta heißt schon lange nicht mehr so (sondern seit 25 Jahren Kolkata), und am Ganges hat die Metropole im Osten Indiens nie gelegen. Was sich aber hinter dem Motto des Albums verbirgt, das ist am Ende weitaus faszinierender als viele der eingespielten Stücke und Werke. Denn das einstige Zentrum der Britischen Ostindien-Kompanie zog nicht nur Waren und Händler an, sondern entwickelte im 18. Jahrhundert auch ein respektables Musikleben. Zentrale Figur war dabei William Hamilton Bird (genaue Lebensdaten unbekannt), der nach

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Weimar – 1755

Weimar – 1755

«Empfindsamkeit» sowie «Sturm und Drang» sind zwar keine Epochen in den Künsten, wohl aber wichtige Phasen des Übergangs, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts aus dem langen Schatten barocker Gerüste heraustraten und nach neuen, auch subjektiveren, mitunter gar radikal individuellen Ausdrucksweisen suchten. Dieser «Zeitgeist» zwischen den Epochen wies zahlreiche Spielarten auf, die es auch heute noch schwer machen, ein konsistentes musikgeschichtliches Bild zu entwerfen – denn die strukturell wichtigen Institutionen von Kirche und Hof entwickelten sich nach Personen und Orten recht unterschiedlich (die Oper scheint gewissermaßen ein europäisches Eigenleben

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Telemann – 1721

Telemann – 1721

Ob es früher den Menschen auch so erging, dass sie beim Schreiben des Datums eine Zeit lang aus Gewohnheit noch am alten Jahr festhielten? Jedenfalls handelt es sich beim «Anno Domini» nicht um irgendeine Zählung, sondern seit der Verschriftlichung auch des Alltags um Anhaltspunkte, Marksteine oder gar Einschnitte. Und häufiger als man vielleicht vermutet, dienen solche Jahreszahlen auch als Motto für ein Album – auch wenn die Kontexte oftmals unterschiedlich sind. Der 21. September 1721 war jedenfalls nicht nur für Hamburg, sondern auf sehr lange Sicht hin auch musikgeschichtlich ein

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Natale veneziano – Il Pomo d'Oro

Natale veneziano – Il Pomo d’Oro

Was für eine Bescherung! Mit einer Spielzeit von fast 77 Minuten wird einem bei diesem Album sicherlich nicht langweilig– zumal die Auswahl mit zwölf festlich strahlenden Kompositionen aus der Blütezeit venezianischen Musik einmalig ist. Das Programm vereint Werke von Andrea Gabrieli (1510–1586) und Giovanni Gabrieli (1557–1612) über Claudio Monteverdi (1567–1643) bis hin zu Francesco Cavalli (1602–1676). Große Namen einer großen Epoche, bei der in St. Marco und anderswo klanglich wirklich nicht gekleckert wurde. Im Gegenteil: Selbst der klein besetzte Chor von Il Pomo d’Oro füllt den Raum aus und bleibt

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Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Bereits 2017 in den Handel gekommen (und aktuell noch immer verfügbar), mutet diese 67 CDs umfassende Box der (nahezu vollständigen) frühen Einspielungen wie ein ungeschliffenes Juwel an. Auch wenn sich viele der Alben bereits in dieser oder jener Form im Regal befinden, denn mit der wegweisenden Übernahme der traditionsreichen Columbia Records durch die Sony im Jahr 1988 begann auch eine heute anhaltende vielfältige Auswertung des Back-Katalogs, ist diese Zusammenstellung dann doch einmalig. Anlass für die opulente Veröffentlichung war das 50-jährige Jubiläum der ersten Produktion eines Werkes unter der Leitung von

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #173 – Boulez 100
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