5. Januar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Natale veneziano – Il Pomo d'Oro

Natale veneziano – Il Pomo d’Oro

Was für eine Bescherung! Mit einer Spielzeit von fast 77 Minuten wird einem bei diesem Album sicherlich nicht langweilig– zumal die Auswahl mit zwölf festlich strahlenden Kompositionen aus der Blütezeit venezianischen Musik einmalig ist. Das Programm vereint Werke von Andrea Gabrieli (1510–1586) und Giovanni Gabrieli (1557–1612) über Claudio Monteverdi (1567–1643) bis hin zu Francesco Cavalli (1602–1676). Große Namen einer großen Epoche, bei der in St. Marco und anderswo klanglich wirklich nicht gekleckert wurde. Im Gegenteil: Selbst der klein besetzte Chor von Il Pomo d’Oro füllt den Raum aus und bleibt

This entry is part 3 of 5 in the series HörBar #174 – Weihnachten
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Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Pierre Boulez. The Complete Columbia Album Collection

Bereits 2017 in den Handel gekommen (und aktuell noch immer verfügbar), mutet diese 67 CDs umfassende Box der (nahezu vollständigen) frühen Einspielungen wie ein ungeschliffenes Juwel an. Auch wenn sich viele der Alben bereits in dieser oder jener Form im Regal befinden, denn mit der wegweisenden Übernahme der traditionsreichen Columbia Records durch die Sony im Jahr 1988 begann auch eine heute anhaltende vielfältige Auswertung des Back-Katalogs, ist diese Zusammenstellung dann doch einmalig. Anlass für die opulente Veröffentlichung war das 50-jährige Jubiläum der ersten Produktion eines Werkes unter der Leitung von

This entry is part 1 of 5 in the series HörBar #173 – Boulez 100
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Thomas Selle

Thomas Selle

Schütz, Schein, Scheidt – und Thomas Selle. So ließe sich die Reihe der großen «S» in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ergänzen. Dass Thomas Selle (1599–1663) nicht regelmäßig dazugezählt wird, liegt wohl allein daran, dass nur Weniges von ihm über die Jahrhunderte gedruckt vorlag. Nur ein erster Band der von ihm selbst (!) in Angriff genommenen Opera omnia erschien im Druck – alle weiteren der 281 handschriftlich und platzsparend als neue norddeutsche Orgeltabulatur dokumentierten Werke blieben unveröffentlicht. Die mit Herausforderungen zu lesende präzise Kurzschrift hatte auf lange Sicht nunmal

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Vivaldi – Concerto Italiano

Vivaldi – Concerto Italiano

Es ist ein böses Wort, dass Vivaldi «vierhundert Mal dasselbe Konzert» geschrieben habe. Dieses vielfach mit Genuss zitierte Bonmot geht indes an der Realität vorbei – und zeugt eher von der Unkenntnis der immer wieder neuen Wege, die Vivaldi jenseits und diesseits der Alpen in Venedig und Dresden beschritten hat. Vielmehr ist es seine herausragende schöpferische Originalität, die eine bloße Wiederholung in jeder Phase seiner Biographie verhindert hat. Davon erzählen auch die sechs Konzerte in der mittlerweile 67. (!) Folge der Vivaldi-Edition beim Label Naïve. In so volatilen Zeiten wie

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Bach reconstructed – le fessta musicale

Bach reconstructed – le fessta musicale

Schon lange fasziniert Bachs eigenes Parodie-Verfahren, bei dem er nicht nur weltliche Werke, sondern vor allem instrumentale Vorlagen in den in rascher Folge entstandenen geistlichen Kantaten wiederverwendet. Manches ist durch die Überlieferung des Originals bekannt und klar erkennbar, anderes lässt sich mit gut geschulten Ohren auch rein «instrumentaliter» zurechthören (hier wird die Vorlage wohl oftmals verloren gegangen sein). Bach beschritt bei seinen Parodien eine Einbahnstraße: vom weltlichen Werk hin zur geistlichen Kantate (allein die Schübler-Choräle scheinen eine Ausnahme darzustellen). Christoph Harer nun geht einen anderen Weg. Er gewinnt seine «Neubrandenburg

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Vivaldi x2 (2) – La Serenissima

Vivaldi x2 (2) – La Serenissima

Doppel- und Gruppenkonzerte faszinieren nicht allein durch ihre Farbigkeit, sondern auch durch ihren doppelten oder gar vielfachen Diskurs. So wird der musikalische Verlauf nicht allein zwischen dem Solo und Tutti verhandelt; vielmehr kann das doppelt besetzte Solo auch untereinander kommunizieren, neben den allfälligen Terzführungen. Hörbar wird dies auf dem nun schon zweiten Album dieser Art mit dem Ensemble La Serenissima – erkennbar am markantem Cover und dem expliziten Zusatz x2. Auf dem Programm stehen einige geläufige, aber auch eher selten zu hörende Concerti von Antonio Vivaldi – und was das

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da Costa – Ensemble Bonne Corde

da Costa – Ensemble Bonne Corde

Vorzügliche und faszinierende Concerti aus der europäischen Peripherie. Diesmal aber geht es nicht gen Norden oder Osten – sondern nach Funchal auf der noch heute so beliebten portugiesischen Blumeninsel Madeira. Dort wirkte Antonio Pereira da Costa (ca. 1697–1770) als Mestre da Capella an der Kathedrale. Ein Großteil seiner Kompositionen hat sich über die Zeiten nicht erhalten und auch seine Biografie kann nur bruchstückhaft geschrieben werden. Seine zwölf als «Opus 1» in London veröffentlichten Concerti zeigen ihn freilich als einen Meister seines Fachs. Musikalisch angelehnt an Corelli (op. 6) und wegen

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Charles Avison – Tiento Nuovo

Charles Avison – Tiento Nuovo

Wie beliebt die Musik des in der Ferne wirkenden Domenico Scarlatti während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch in England war, zeigt nicht nur die Aufführung seiner Oper Narciso in London (1720), sondern mehr noch die von Charles Avison (1709–1770) vorgenommene Bearbeitung zahlreicher Sonaten hin zu ausgewachsenen Concerti grossi. Sie wurden 1774 unter dem Titel Twelve Concert’s in Sevens Parts […] Done from Two Books of Lessons for the Harpsichord Composed by Sig. Domenico Scarlatti gedruckt, wobei sich die verwendeten Vorlagen nicht immer mit letzter Sicherheit bestimmen lassen, auch

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Mr. Charles the Hungarian

Mr. Charles the Hungarian

Wer Ende des 18. Jahrhunderts Dublin mit dem Boot erreichte, dem dürfte sich die auf dem Cover abgebildete Aussicht auf die Marineschule dargeboten haben. Und hätte man die Menschen der Stadt nach ihren musikalischen Vorlieben gefragt, wäre wahrscheinlich auch noch zu jener Zeit die Antwort «Mr. Handel» gewesen. Ob es sich bei dem kaum dem Namen nach bekannten Mr. Charles the Hungarian jedoch wirklich um einen Rivalen Händels handelt, wie es im Untertitel des Albums heißt, ist fraglich. Nach der Lektüre des Booklets gewinnt man eher den Eindruck einer konstruierten

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Venezia 1631

Venezia 1631

Anfang des 17. Jahrhunderts ging man anders mit Pandemien um. Zum einen wurde nichts verleugnet, weil es auch schlichtweg nichts zum Impfen gab. Die Tatsachen sprachen eine deutliche Sprache: Beim letzten großen Ausbruch der Pest in und um Venedig 1630/31 wurde ein Drittel der Bevölkerung dahingerafft. Die Not war so groß, dass der Doge Nicolò Cantarini das Gelübde ablegte, nach der Befreiung von der Epidemie ein Fest zu feiern und als Dank eine Kirche zu bauen (er selbst starb dann). Als das Ende der Pest ausgerufen wurde, war das Fest

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Bach – Ars moriendi

Bach – Ars moriendi

In früheren Jahrhunderten und Epochen wurde anders mit dem Leben und dem Tod umgegangen – und somit auch mit der erhofften Ewigkeit. Dies spiegelt sich besonders in Dichtung und Musik wider, vielleicht am radikalsten in der Verszeile «Komm o Tod, Du Schlafes Bruder». Genau diese Choralstrophe hat vor 30 Jahren, verbunden mit erhabenen Bildern, sogar den Weg auf die Kinoleinwand gefunden. Wie Bach selbst über diese Dinge dachte, wissen wir nicht, aber der Ausdruck seiner Kompositionen scheint Hinweise zu geben. Einige dieser Spuren werden auf diesem hervorragend kuratierten Konzeptalbum nachgezeichnet,

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Bach – Sonaten und Partiten

Bach – Sonaten und Partiten

Bachs sechs Sonaten und Partiten für Violine allein (die auch die Suiten für Violoncello allein) sind Werke, die nicht nur für fertige Instrumentalist:innen gedacht sind, sondern die auch in jedem Takt die kompositorische Vollendung zeigen, Melodie, Rhythmus, Harmonik und Kontrapunkt so zu denken, dass jede Noten in mindestens einer dieser Dimensionen eine substanzielle Bedeutung hat. Und so fordern sie nicht nur eine herausragende Spieltechnik, sondern auch gestalterisches Vermögen in der Vertikalen wie Horizontalen. All dies findet sich eindrucksvoll auf dem zweiten und damit letzten Album dieser Werkgruppe wieder – eingespielt

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #162 – kurz & knapp (Barock)
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