11. April 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Jacob Schuback – Brockes-Passion

Jacob Schuback – Brockes-Passion

Als im Jahre 1712 unter dem Titel Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesu die von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) stammende Umdichtung der Leidensgeschichte Christi im Druck erschien, war nicht absehbar, dass in den folgenden Jahrzehnten wenigstens 13 Komponisten diesen Text einer Vertonung zugrunde legen würden. Mit seiner gleichermaßen auf Rührung und Erschütterung angelegten Dichtung traf Brockes offenbar nicht nur den Geschmack seiner Zeitgenossen, sondern regte in seiner Heimatstadt Hamburg auch eine ganz eigene, aufwendige Aufführungstradition an (ab 1719 erklangen innerhalb weniger Tage gleich vier unterschiedliche Vertonungen).

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Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Homilius / CPE Bach – Lukas-Passion (1775)

Gottfried August Homilius (1714–1785) gehört zu jenen Meistern des 18. Jahrhunderts, deren Werk zunächst noch eine Zeit lang weiter tradiert, dann aber bis weit ins 20. Jahrhundert vergessen wurde. Allenfalls enzyklopädisches Interesse hielt die Erinnerung wach, sein umfangreiches kompositorisches Œuvre wird erst seit geraumer Zeit wiederentdeckt. Dies muss erstaunen, denn Homilius war als Organist an der Frauenkirche, später als Kreuzkantor und Musikdirektor, drei Jahrzehnte lang an zentraler Stelle in Dresden tätig. Der Überlieferungsweg «seiner» Lukas-Passion ist kurios und wirft ein Schlaglicht auf ganz unterschiedliche Passions-Traditionen. Denn CPE Bach verwendete 1775

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Johann David Heinichen – Sepolcri

Johann David Heinichen – Sepolcri

Noch einmal das Sepolcro. Diesmal geht es die Elbe auswärts bis nach Dresden – eine noch immer nicht gänzlich erschlossene Hochburg des musikalischen Barock und weit darüber hinaus. Auf diesem Album sind es zwei Werke, die in ihrer Anlage und ihren sängerischen Anforderungen unbedingt an die Opera seria erinnern. Sie zeigen, wie sehr sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Stile, Gattungen und Genres gegenseitig inspirierten, obwohl die geistliche und weltliche Sphäre eigentlich unvereinbar schien. Vielleicht war Johann David Heinichen (1683–1729) dafür ein exzellenter Vermittler. Protestantisch sozialisiert und am

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Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Gregor Joseph Werner – Der Gute Hirt

Wenn ich eine Generation zurückdenke, dann war Gregor Joseph Werner (1695–1766) damals allenfalls als Vorgänger von Joseph Haydn im Amt des Hofkapellmeisters bei den Esterházys bekannt. Eine ungarische Neuausgabe seiner Streicherfugen machte noch die Runde, alles andere war längst über die musikgeschichtliche Kante gefallen. Erst in den letzten Jahren rückte sein Œuvre dank der Initiative von Lajos Rovátkay und mehreren Einspielungen wieder in den Fokus – und man konnte einen wirklich sehr interessanten Komponisten des späten Barock im Umfeld der Habsburger kennenlernen. Denn der aus Wien strahlende Glanz sollte sich

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Christoph Demantius – Johannes-Passion

Christoph Demantius – Johannes-Passion

Im geschäftigen Treiben des Kalenderjahres gibt es zwei Wochen, die etwas ruhiger verlaufen (sollten) – und es in der Regel wenigstens musikalisch auch tun: die so genannte «Stille Woche» vor dem Ewigkeitssonntag, mit dem das Kirchenjahr im November abschließt, und die Karwoche vor dem Osterfest. In letzterer standen und stehen noch immer kleine und große Passionsmusiken auf dem Programm: früher liturgisch eingebunden, später dann eher konzertant aufgeführt, heute vielfach auch nur noch auf Tonträger präsent. Die Kompositionen unterscheiden sich je nach Epoche auch in dem ihnen zugrunde liegenden Text, bei

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Symphonies in 3 Movements

Symphonies in 3 Movements

Das Konzept dieses Albums erinnert deutlich daran, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Einführung eines vierten Satzes fortan (und für mehr als einhundert Jahre) nahezu verbindlich für die Sinfonie wurde – wobei es sich bei dem vierten Satz um das an dritter Stelle stehende Menuett bzw. Scherzo handelt. Seine Einführung veränderte die gesamte Dramaturgie der aus der Opern-Ouvertüre italienischer Art abgeleiteten Werkgestalt. Dass später im 20. Jahrhundert noch ganz andere Konzepte entstanden (bis hin zur monumentalen Einsätzigkeit), muss nicht extra erwähnt werden – wohl aber die gelegentliche

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David Bergmüller – Rhétorique du silence

David Bergmüller – Rhétorique du silence

Ein Album, das sich mit seinen Metadaten und dem Booklet hervorragend für ein Blockseminar zum Thema «Redaktionsarbeit» eignet. Es mag ja angehen, dass gelegentlich das «Design» wichtiger als der «Content» ist. Und doch sollte nicht bloß alles Notwendige mitgeteilt sein, sondern es sollte auch «stimmen». Die separaten Listen der Komponisten und ihrer Werke auf dem Backcover gleicht jedenfalls einem Wimmelbild: Die Titel (übrigens miest unvollständig, und dass es sich beiden Sätzen von Visée um eine Suite handelt, wird unterschlagen) stehen vollkommen separat. Wer sucht, findet auf der vorletzten Seite des

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Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Es kommt nicht oft vor, dass ein einzelnes Instrument einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Bei der sogenannten «Rauwolf-Laute» ist das die Ausnahme. Sie wurde als Renaissance-Instrument (wohl 7- oder 8-chörig) von Sixtus Rauwolf in Augsburg um das Jahr 1590 gebaut. Eine «Modernisierung» zur Barocklaute (nun 11-chörig) erfolgte 1715 durch Leonard Mausiel in Nürnberg, was durch einen «Zettel» belegt ist. Dass sich die Laute über die Jahrhunderte erhalten hat (wie nur wenige andere Instrumente aus der Werkstatt von Rauwolf), ist schon Zufall genug. Dass sie nach einer sorgfältigen Restaurierung auch spielbar ist,

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Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Dass Musikgeschichte nicht immer einfach zu entschlüsseln ist, zeigt sich an der unspektakulären Biographie von Johann Georg Weichenberger (1676–1740). In Graz geboren, findet man ihn ab 1700 in den Diensten des Wiener Kaiserhofes (in der Buchhaltung!), und doch scheint er einer der wichtigsten und prägendsten Lautenisten in der Donau-Metropole gewesen zu sein. War er nun aber ein sehr begnadeter Virtuose aus dem Bürgertum oder erhielt er seine Anstellung eher pro forma, um an anderer Stelle dem Hof musikalisch zu dienen? Eine Frage, die vielleicht marginal erscheint, aber Grundsätzliches für die

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Alon Sariel – Johann Sebastian Bach

Alon Sariel – Johann Sebastian Bach

Wer Alon Sariel kennt, weiß um seine vielfältigen instrumentalen Fähigkeiten, die bei Einspielungen von Musik nur für Mandoline oft zu kurz kommen. So auch wieder bei jüngeren Produktionen. Daher hier nun der Rückgriff auf ein Album, bei dem er eine breite Sammlung unterschiedlichster Zupfinstrumenten vorstellt: Erzlaute, Barockgitarre, Liuto attiorbato, Oud. Das wirklich Faszinierende daran ist, wie flexibel sich Bachs Musik auch hier einmal mehr zeigt. Schon seine eigenen Präludien für Laute finden sich heute in Klavieralben. Hier nun werden zwei komplette Werke und einige Sätze aus den Suiten für Violoncello

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Vivaldi – op. 8

Vivaldi – op. 8

Heute hat sich ein Dauerbrenner unter die «V… (diverse)» verirrt. Es sind die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Glücklicherweise ein Album, auf dem die weltbekannten Concerti nicht als Pflichtaufgabe abgeschnurrt werden, sondern in einem vielfach neuen Licht erstrahlen. Damit wird zwar nicht der bedrohliche und für alle spürbare Klimawandel aufgehoben: Ich habe im Winter seit vielen Jahren keinen permanent liegenden Schnee mehr gesehen, und verlassen im Sommer schon seit Jahren meine schöne Schreibtisch-Gaube als «bio-deutscher Klimaflüchtling». Adrian Chandler und dem Ensemble La Serenissima gelingt indes eine Neudeutung des Klassikers, ohne

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Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae

Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae

Gelegentlich wird einem schmerzlich bewusst, wie viele Einspielungen in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Katalog verschwunden sind. Dieser Prozess begann in den 1980er Jahren mit dem Medienwechsel von der LP zur CD und setzte sich im 21. Jahrhundert mit dem allmählichen Sterben großer und kleiner Labels fort. Vor allem gingen viele nationale Serien verloren: in Dänemark etwa die Dansk Musik Antologi, die es erst gar nicht auf CD schaffte, in den Niederlanden dann das Label NM Classics – eine Zusammenarbeit zwischen dem 2013 aufgelösten Centrum Nederlandse Muziek und Radio Netherlands

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