20. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Franz Schubert – Wojciech Waleczek

Franz Schubert – Wojciech Waleczek
Franz Schubert – Wojciech Waleczek
Es scheint fast so, als würde bei diesem Album das Gedenkjahr 2028 schon seine Schatten werfen. Aber: Auch bei anderen Komponisten werden Raritäten und kurze Stücke höchst selten eingespielt. Also doch eine Produktion, die den Katalog frühzeitig vervollständigt? Darauf deuten zumindest einige Ersteinspielungen hin – auch wenn die damit verbundenen Takte eher wenige sind und marginal bleiben. Jedenfalls in dem hier (nicht) gegebenen Kontext. Denn erst wenn man Schuberts frühe (!) Kontrapunkt-Studien in einem größeren Zusammenhang sieht und darstellt, erschließen sich weitere Zusammenhänge. Dass dies bei einer CD-Produktion nicht geleistet werden kann, fällt unter die Kategorie «so ist es».

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Also eine undankbare Aufgabe für Wojciech Waleczek am Klavier? Eigentlich lautet die Antwort «ja» – aber er nimmt sich der Sache so ernst an, dass all jene beschämt werden, die ihn vielleicht zu dieser Produktion gedrängt haben. Auch wenn mir ein «moderner» Flügel nicht recht behagt, versteht es Waleczek doch, sich den unspektakulären Werken mit Ernst und Ausdruckswillen zu nähern. Dies gilt für sich treiben lassenden Fantasien ebenso wie für die Fugenfragmente. Der belanglose Essay von Keith Andersson (und ich habe Respekt vor seinem langen Wirken) erreicht die biographische Bedeutung der kurzen Stücke kaum, die ihrerseits dadurch seltsam belanglos wirken. Derartige Werke verdienen dann eben doch mehr substanzielle Aufmerksamkeit – egal, aus welcher Ausgabe gespielt wird. Der Klang ist satt, jeoch nicht überdimensioniert. Das Album stellt eher eine Dokumentation für Interessierte dar. Aber – und da kommt man zum Kern. Warum nicht?

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Franz Schubert. Rarities and Short Piano Works
2 Scherzi D 593; Fantasie c-Moll D 2e; Allegro E-Dur D 154; Fantasie C-Dur D 605; Marsch E-Dur D 606; Marsch h-Moll D deest; Klavierstück C-Dur D 916b; Klavierstück c-Moll D 916c; Fuge d-Moll D 13; Fuge C-Dur D 24a; Fuge G-Dur D 24b; Fuge d-Moll D 24c; Duge C-Dur D 24d; Fuge F-Dur D 25c; Vier Fugenskizzen B-Dur D 37a (Nr. 1, 3, und 4); Fuge e-Moll D 41a; Fuge e-Moll D 71b; Ouvertüre zu Alfonso und Estrella D 759a
Wojciech Waleczek (Klavier)

Naxos 8.574135 (2020)

HörBar #182 – Juvenilia

Felix Mendelssohn – Fabio Biondi

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 3 of 3 in the series HörBar #182 – Juvenilia

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