5. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach
Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach
Es kommt nicht oft vor, dass ein einzelnes Instrument einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Bei der sogenannten «Rauwolf-Laute» ist das die Ausnahme. Sie wurde als Renaissance-Instrument (wohl 7- oder 8-chörig) von Sixtus Rauwolf in Augsburg um das Jahr 1590 gebaut. Eine «Modernisierung» zur Barocklaute (nun 11-chörig) erfolgte 1715 durch Leonard Mausiel in Nürnberg, was durch einen «Zettel» belegt ist. Dass sich die Laute über die Jahrhunderte erhalten hat (wie nur wenige andere Instrumente aus der Werkstatt von Rauwolf), ist schon Zufall genug. Dass sie nach einer sorgfältigen Restaurierung auch spielbar ist, ist ein Glücksfall. Denn hier klingen Jahrhunderte nach: Das für den Resonanzboden verwendete Holz ist dendrochronologisch auf die Jahre 1418 bis 1560 datierbar.

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Der Umbau der Laute mit einem neuen Hals sicherte ihr das Überleben und macht sie heute zu einem idealen Instrument zur Interpretation von Musik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Jakob Lindberg hat einige der Solo-Sonaten, Solo-Suiten und Solo-Partiten von Johann Sebastian Bach arrangiert (ganz oder nur einzelne Sätze) und spielt sie so, dass die Transkriptionen gegenüber einem «Original» (wie bei BWV 1006a) nicht erkennbar sind. Hinzu kommt der kaum zu überbietende Klang des Instruments: hell und licht, zugleich aber auch warm und sehr differenziert in der Reaktion auf den Anschlag. Zudem handelt es sich um ein Album mit langem Hörgenuss. Mit einer Spielzeit von 88 Minuten wird beim physischen Produkt das absolute Maximum erreicht.

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Bach on the Rauwolf Lute
Johann Sebastian Bach. Präludium BWV 999; Fuge und Largo aus der Sonate Nr. 3 C-Dur BWV 1005 (arr. Jakob Lindberg); Suite Nr. 1 C-Dur BWV 1007; Suite F-Dur BWV 1006a; Sonate Nr. 1 g-Moll BWV 1001 (arr. Jakob Lindberg); Chaconne aus der Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1002 (arr. Jakob Lindberg)
Jakob Lindberg (Laute)

BIS Records BIS-2552 (2020)

Hörbar #181 – Laute und mehr

Joachim Held – Johann Georg Weichenberger

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 3 of 3 in the series Hörbar #181 – Laute und mehr

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