7. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Florent Marie – Giovanni Antonio Terzi

Florent Marie – Giovanni Antonio Terzi
Florent Marie – Giovanni Antonio Terzi
Was aber bleibt? Es ist die wohl grundlegendste Frage des Lebens, die man sich hin und wieder (meist in einer stillen späten Stunde) stellt. In der Biographie und Musik von Giovanni Antonio Terzi wird sie gleichsam zur Realität. Denn von diesem italienischen Meister auf der Laute ist fast nichts bekannt – außer dass er 1592 in Padua ein Studium der Rechtswissenschaften aufnahm. Daraus lässt sich zumindest rechnerisch sein ungefähres Geburtsdatum ableiten (die vielfach anzutreffenden Daten ca. 1580 – ca. 1600 sind daher falsch bzw. gemutmaßt). Musikalisch haben sich zwei in Venedig gedruckte Sammlungen mit Toccaten, Tänzen und Intavolierungen aus den Jahren 1593 und 1599 erhalten, darunter befindet sich auch eine Gagliarda seines Vaters, der in einem alten Dorf bei Bergamo lebte. Einige wenige, recht allgemein gefasste Zeilen zu Terzis Musikalität finden sich noch 1664 in einer Schrift von Pater Donato Calvi. Das war’s.

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Unter Lautenisten sind die beiden Drucke bekannt und eine reiche Quelle fürs Repertoire. Sie dokumentieren Terzis Meisterschaft auf dem Instrument, so dass daraus bereits dies und das (mehrfach) eingespielt wurde. Wie also eine eigene Note setzen? Florent Marie hat sich für ein dankbares Supplement entschieden und neben anderem auch bisher nicht berücksichtigte Stücke auf sein Pult gelegt. So handelt es sich bei 19 von 28 Werken (Tracks) um Ersteinspielungen, darunter auch ein Saltarello aus einem heute in Montreal aufbewahrten Manuskript. – Überzeugen kann dieses Album nicht nur durch Florent Maries fast schon kantabel zu nennendes Spiel, sondern auch durch eine sehr angenehme klangliche Intimität. Die Direktheit schließt auch den Atem und technische Geräusche der linken Hand mit ein und macht die Aufnahme gleichsam unmittelbar erlebbar.

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Giovanni Antonio Terzi. Toccate dell’Autore I; Caro dolce ben mio; Courante francese; Preludio de l’Autore; Saltarello; Gagliarda; Candide perle del Bicci; Ballo Tedesco e Francese; Il Saltarello del prescritto Ballo; Fantasia Terza dell’Autore; Gagliarda 12 del S. Agostino; Preambulo de l’Autore; Branle simple Francese; Corrente Quarto; Volta Seconda Francese; Canzone Settima; Passamezzo per b quadro; La sua Gagliarda; Veni in hortum meum a 5 (di O. Lasso); Padoana; Toccate dell’Autore II; Balli Alemano II & VII; Volta quarta Francese; Ahi chi mi rompe il sonno; Di ch’ella mosta: 2a parte; Pass’e mezo último; Gagliarda del Pass’e mezo
Florent Marie (Renaissance-Laute)

Carpe Diem CD-16327 (2021)

Hörbar #181 – Laute und mehr

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 4 of 4 in the series Hörbar #181 – Laute und mehr

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