
Aber auch im Booklet-Essay findet sich ein eklatanter Fehler. Demnach hätten Streamingkonzerte aus der Abgeschiedenheit einer Berghütte während der Corona-Pandemie die Initialzündung für das Album geliefert. Die Aufnahme selbst soll aber bereits im November 2019 im Stift Seitenstetten stattgefunden haben. – Besser also, sich ganz der Musik bzw. der Rhétorique du silence hinzugeben, so der Titel des Albums. Und tatsächlich gelingt es David Bergmüller auf seinen (nachgebauten) Instrumenten der Stille einen Klang, ein Echo zu geben – oder auch (um es mit den Worten des Florentiner Renaissance-Philosophen Marsilio Ficino zu sagen) sie zu «dekorieren». Sein Spiel ist dabei von wunderbar gleitender Freiheit durch das Taktgefüge geprägt, es schwebt gleichsam durch die im «style brisé» aufgebrochenen Akkorde und Linien, um dann doch im Ton sehr markant, vielfach fast kernig zu sein. Ein Spannungsverhältnis, das den musikalischen Satz greifbar macht – und ihn nicht flüchtig im Raum entkommen lässt. Schade, dass das Konzeptalbum bereits nach 45 Minuten endet.
Rhétorique du silence
David Bergmüller. Prélude a-Moll; Prélude d-Moll; Ennemond Gaultier. Narcisse, aus: Suite Nr. 11 a-Moll; La belle Homocide, aus: Suite Nr. 10 a-Moll; Tombeau de Monsieur de Lenclos, aus: Suite Nr. 12 a-Moll; Carillon; L’immortelle; La Poste; Jacques Gallot. Les Plaintes des Psyché; Robert de Visée. Chaconne G-Dur, Suite a-Moll; François Dufaux. Allemande, La superbe; René Mézangeau. Sarabande de Mesangeau
David Bergmüller (Laute, Theorbe)
Berlin Classics 030 3039 BC (2019)
