7. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

David Bergmüller – Rhétorique du silence

David Bergmüller – Rhétorique du silence
David Bergmüller – Rhétorique du silence
Ein Album, das sich mit seinen Metadaten und dem Booklet hervorragend für ein Blockseminar zum Thema «Redaktionsarbeit» eignet. Es mag ja angehen, dass gelegentlich das «Design» wichtiger als der «Content» ist. Und doch sollte nicht bloß alles Notwendige mitgeteilt sein, sondern es sollte auch «stimmen». Die separaten Listen der Komponisten und ihrer Werke auf dem Backcover gleicht jedenfalls einem Wimmelbild: Die Titel (übrigens miest unvollständig, und dass es sich beiden Sätzen von Visée um eine Suite handelt, wird unterschlagen) stehen vollkommen separat. Wer sucht, findet auf der vorletzten Seite des Booklets im Kleingedruckten eine Zuordnung der Tracks, dort aber wieder ohne die Titel (durchgehend übrigens alles ohne Zeitangaben). Dass La belle Homocide gleich zwei Komponisten hat, wäre wenigstens einer klärenden Erwähnung wert gewesen.

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Aber auch im Booklet-Essay findet sich ein eklatanter Fehler. Demnach hätten Streamingkonzerte aus der Abgeschiedenheit einer Berghütte während der Corona-Pandemie die Initialzündung für das Album geliefert. Die Aufnahme selbst soll aber bereits im November 2019 im Stift Seitenstetten stattgefunden haben. – Besser also, sich ganz der Musik bzw. der Rhétorique du silence hinzugeben, so der Titel des Albums. Und tatsächlich gelingt es David Bergmüller auf seinen (nachgebauten) Instrumenten der Stille einen Klang, ein Echo zu geben – oder auch (um es mit den Worten des Florentiner Renaissance-Philosophen Marsilio Ficino zu sagen) sie zu «dekorieren». Sein Spiel ist dabei von wunderbar gleitender Freiheit durch das Taktgefüge geprägt, es schwebt gleichsam durch die im «style brisé» aufgebrochenen Akkorde und Linien, um dann doch im Ton sehr markant, vielfach fast kernig zu sein. Ein Spannungsverhältnis, das den musikalischen Satz greifbar macht – und ihn nicht flüchtig im Raum entkommen lässt. Schade, dass das Konzeptalbum bereits nach 45 Minuten endet.

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Rhétorique du silence
David Bergmüller. Prélude a-Moll; Prélude d-Moll; Ennemond Gaultier. Narcisse, aus: Suite Nr. 11 a-Moll; La belle Homocide, aus: Suite Nr. 10 a-Moll; Tombeau de Monsieur de Lenclos, aus: Suite Nr. 12 a-Moll; Carillon; L’immortelle; La Poste; Jacques Gallot. Les Plaintes des Psyché; Robert de Visée. Chaconne G-Dur, Suite a-Moll; François Dufaux. Allemande, La superbe; René Mézangeau. Sarabande de Mesangeau
David Bergmüller (Laute, Theorbe)

Berlin Classics 030 3039 BC (2019)

Hörbar #181 – Laute und mehr

Florent Marie – Giovanni Antonio Terzi

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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