
Es sind die kleinen Gestaltungselemente: hier ein Rubato, dort eine kleine Forcierung, mal ein pointierter Rhythmus, dann wieder ein recht volksmusikalisch brummender Bordun. Nichts wirkt dabei manieristisch aufgesetzt oder mit Mätzchen versehen, vielmehr wird die Musik allein von der Musik bestimmt. Man nehme den langsamen Satz aus dem Herbst, der sich in einem statischen Fluss von Harmonien bewegt und von sehr organischen Arpeggien des Cembalos getragen wird, oder den eisigen Kopfsatz des Winters, der tatsächlich klirrt (auch mit spieltechnischen Geräuschen). Hier gibt es keine Ästhetisierung, sondern pure, unmittelbare Musik. Oder einfach Jahreszeiten, die sich neu hören und entdecken lassen – und damit zeigen, dass in diese Interpretation wirklich künstlerisch investiert wurde. Dass die weiteren beigegebenen weiteren Concerti kompositorisch nicht standhalten können, steht auf einem anderen Blatt und ist weder dem Solisten noch dem Ensemble vorzuwerfen. Sie zeigen vielmehr den exzeptionellen Rang der vier vielfach zu Tode gespielten Concerti auf. Ein mit 83 Minuten Spielzeit randvolles Album allerhöchster Qualität. Chapeau.
Antonio Vivaldi. Concerti op. 8/1–4 «Die vier Jahreszeiten»; Concerto op. 8/5 «La Tempesta di Mare»; Concerto op. 8/6 «Il Piacere»; Concerto für Violine, Streicher & Continuo C-Dur RV 170; Concerto für 2 Violinen, Streicher & Continuo Es-Dur RV 515
La Serenissima, Adrian Chandler
Signum Classics SIG CD 886 (2024)








