
Den alphabetischen Anfang machen dieser Hörbar Sinfonien von Johann Baptist (Jan Krtitel) Vanhal (1739–1813). Er war wohl der erste Komponist, der allein mit Komponieren und Unterrichten ein gutes und sicheres Einkommen erwirtschaftete – ganz ohne Anstellung und Gönner. Zwar finanzierte ihm ein Dresdner Adliger eine lange Reise durch Italien, doch am Ende nahm Vanhal die Anstellung nicht an: Warum die Freiheit aufgeben? Denn seine Eltern lebten in Böhmen noch in Leibeigenschaft… Mehr als 70 Sinfonien soll Vanhal in nur wenigen Jahren geschrieben haben (bei einigen ist die Authentizität fraglich). Doch um 1780 stellte er sowohl die Komposition von Sinfonien als auch die von Streichquartetten ein – genau jene Gattungen, die sich zu dieser Zeit als innovativ erwiesen. Die Gründe für Vanhals Entscheidung liegen im Dunkeln, umso mehr gilt es, sich einen Eindruck zu verschaffen. Unter den hier eingespielten Sinfonien überzeugt die in g-Moll am meisten – diese Tonart hatte ohnehin im Sturm und Drang ihre eigene Berechtigung. Dass die Musik auf diesem Album aber nicht recht «zünden» will, ist der Einspielung zuzuschreiben. Man muss sie nicht mit jener des Concerto Köln aus den 1990er Jahren vergleichen, um zu spüren, dass das Münchner Rundfunkorchester zwar mit Elan, aber auch begrenztem Ausdrucksvermögen die Partituren realisiert. Ob mit Ivan Repušić zudem der richtige Mann am Pult stand, sei dahingestellt: Seine Diskographie hat ihren Schwerpunkt dann doch bei Verdi und Puccini und der großen Bühne…
Johann Baptist Vanhal. Sinfonie g-Moll (Bryan g1); Sinfonie A-Dur (Bryan A4); Sinfonie a-Moll (Bryan a4); Sinfonie F-Dur (Bryan F5)
Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repušić
cpo 555 433-2 (2020)








