21. Februar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Morta Grigaliūnaitė – Einojuhani Rautavaara

Morta Grigaliūnaitė – Einojuhani Rautavaara
Morta Grigaliūnaitė – Einojuhani Rautavaara
Hier zeichnet das Cover in schwarz/weiß so viele Schatten und differenzierte Töne, wie die Musik von Einojuhani Rautavaara (1928–2016) – einem Komponisten, der im deutschen Kulturraum einige Kenner & Liebhaber hat und in letzter Zeit wieder vermehrt auf dem Spielplan steht. Die Gründe dafür sind klar auszumachen: Obwohl sich Rautavaara ein Zeit lang im Tonsystem avantgardistisch zeigte, hat er rückschauend eigentlich nie die musikalische Seele seiner finnischen Heimat verlassen und ist sich im Ausdruck treu geblieben. Das zeigen auch die hier vollständig eingespielten Klavierwerke, …

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… nicht aber die am Schluss der zweiten CD beigegebene zweihändige Adaption seines gerade heute wieder sehr bewegenden Cantus Arcticus. Es ist die alte Geschichte, dass man zwar vieles für das Klavier arrangieren kann, aber eben doch keine Farben auf ein Instrument, das seit dem 19. Jahrhundert zunehmend universal erscheint (und es eben doch nicht ist). Alle anderen Werke gestaltet die aus Litauen stammende Morta Grigaliūnaitė technisch mit bezaubernder Gründlichkeit (Sonate Nr. 1) – und im großen (und leeren) Konzertsaal dann doch ohne Wärme (etwa bei The Devil and the Drunkard). So sehr derartige vollständige Repertoire-Aufnahmen den Katalog auf willkommene Weise befüllen, so scheint das doch das eine oder andere Werk für Jahre «verbrannt». Ich wünschte mir mehr Sorgfalt bei der Kuratierung. «Alles» ist eben nicht immer eine Option.

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Einojuhani Rautavaara. Complete Piano Works
The Fiddlers op. 1; Aleksanteri Könni; The Devil and the Drunkard; Klaviesonate Nr. 2 op. 64 «The Fire Sermon»; Icons op. 6; Three Symmetric Preludes; Narcissus; Fuoco; Passionale; Etüden op. 42; Klaviersonaten Nr. 1 op. 50 «Christus und die Fischer»; 7 Preludes op. 7; Mirroring; Partita op. 34; Cantus Arcticus op. 61 (arr. Peter Lönnqvist)
Morta Grigaliūnaitė (Klavier)

Piano Classics PCL 10331 (2023)

HörBar #179 – Klavier & kurz

Alain Planès – Erik Satie

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #179 – Klavier & kurz

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