
Aus Litauen kommt nun diese seltsame Musik. Rytis Mažulis legt hier zwei fast gleich lange Kompositionen von circa einer halben Stunde vor, die an sich ziemlich einfach zu beschreiben sind. So handelt sich im Fall von «Schisma» um einen polyphonen Mikro-Kanon für ein Cello und 14 virtuelle Instrumente (das habe ich nicht gehört, aber so steht es im Beipackzettel). Dabei klingt ein Dauerton (wohl des Cellos) ganz allmählich und langsamst seine Tonhöhe nach unten verändert. Die 14 virtuellen Celli folgen diesem Prozess wie im Kanon. Später kommen noch weitere Tonpulse hinzu, die durch die Technik des Kanons dann eine Art Rhythmus erzeugen. «Solipse» scheint ein ähnliches Verfahren zu verwenden, wobei ein dichter Cluster entsteht, der in sich wellenartig zu rotieren scheint. Das rollt akustisch in sich. («Technically, the piece was conceived as a ‘live’ performance for cello and a phonogram, composed of pre-recorded or computer-generated material.»)
Dass die Kompositionen einen Anfang und ein Ende haben, ist eigentlich überraschend, unverantwortlich und scheint eher der Konvention der Darstellbarkeit auf CD (Tonträger) abgerungen zu sein. Das erklärt im Prinzip auch die fast gleich langen Dauern der beiden Kompositionen, die man einfachheitshalber der Minimal Music zuordnen würde – aber nicht muss. Man darf sich hier auf ein spektakuläres Wenig mit viel Drin gefasst machen. Fast so wie beim weißen oder sonstigen farbigen Rauschen, nur dass diesem Tonrausch hier eine Richtung innewohnt, eine Formung und eine gewollte Wirkung.
- Ein wenig mehr zu Rytis Mažulis gibt es im Music Information Centre Lithuania (engl.).
Rytis Mažulis – Tempered Tempus [2026]
Anton Lukoszevieze – Cello
CD Music Information Centre Lithuania MICLCD128 (VÖ: 10.02.26)









