12. Februar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae

Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae
Jan Baptist Verrijt – Flammae Divinae
Gelegentlich wird einem schmerzlich bewusst, wie viele Einspielungen in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Katalog verschwunden sind. Dieser Prozess begann in den 1980er Jahren mit dem Medienwechsel von der LP zur CD und setzte sich im 21. Jahrhundert mit dem allmählichen Sterben großer und kleiner Labels fort. Vor allem gingen viele nationale Serien verloren: in Dänemark etwa die Dansk Musik Antologi, die es erst gar nicht auf CD schaffte, in den Niederlanden dann das Label NM Classics – eine Zusammenarbeit zwischen dem 2013 aufgelösten Centrum Nederlandse Muziek und Radio Netherlands International. Damals verschwanden fast 100 produzierte Alben quasi über Nacht – ein unschätzbares Repertoire und ein großes Stück klingende Musikgeschichte.

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Neuerdings wird die eine oder andere zu früh verblichene Einspielung durch Brilliant Classics exhumiert. lizenziert und wieder aufgelegt. Dies alles zur großen Freude von Liebhabern und Abenteurern, die sich durch unbekannte Komponisten und vielfach ein Vierteljahrhundert alte Aufnahmen nicht schrecken lassen. Zu den wiedergewonnenen Schätzen zählten auch die Motetten von Jan Baptist Verrijt (1600–1650), die in der zweiten Hälfte der 1640er Jahre in der Sammlung Flammae divinae erschienen. Über Verrijt, der zuletzt als Organist an der Großen Laurenskirche in Rotterdam tätig war, ist nicht viel bekannt; und von seinen Kompositionen hat nur dieses Opus 5 die Zeiten überdauert. Die Flammae divinae verblüffen durch ihren Bezug zur römisch-katholischen Kultur; zeittypisch sind sie indes mit ihrer Rezeption italienischer Modelle nach Form und Faktur. Die nun schon 26 Jahre alte Einspielung mit Emma Kirkby und dem Consort of Musicke unter Anthony Rooley hat nichts von ihrer Leuchtkraft verloren, auch wenn wohl manches heute aufführungspraktisch anders realisiert werden würde.

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Jan Baptist Verrijt. Flammae Divinae op. 5
O Mediatrix Domina; In te Domine speravi; Quae habitas in hortis; Currite, pastores; Vulnera cor meum; Domine, ne in furore tuo; O dulcis amor; Ad te, dulcissime Iesu; Ave, dulcis Iesu; Ah, horrida bella; Vulnerasti cor meum; O Iesu mi, dulcissime spes; Fili, ego Salomon; Rogo te, dulcissime Domine Iesu Christe; Cantate Domino canticum novum; Salve mi Iesu; O Iesu, splendor aeternae gloriae; In nomine Iesu
Emma Kirkby (Sopran), The Consort of Musicke, Anthony Rooley

Brilliant Classics 97007 (2000)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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