27. Januar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Mysliveček – Keyboard Works

Mysliveček – Keyboard Works
Mysliveček – Keyboard Works
Manchmal fügen sich die Dinge einfach zusammen. Warum also nicht mit der Hörbar-Folge #177 in die 1770er Jahre eintauchen und dabei eine Zeit des Übergangs beleuchten? Denn diese Zeit ist vielfach aufregender als die Musik manch eines «barocken» Meisters oder der periodisch regulierten «Wiener Klassik». Mit dem Übergang sind meist Komponisten verbunden, deren Namen noch am Ende des 20. Jahrhunderts als «Kleinmeister» bezeichnet wurden. Inzwischen hat sich glücklicherweise der Blick verändert. Denn sie hatten auf sehr eigene Weise Neues zu sagen. Die steigende Beliebtheit der Musik von CPE und JC Bach mag ein treffliches Indiz dafür sein. – Im Zentrum dieses Doppelalbums stehen nun Sonaten für Tasteninstrument von Josef Mysliveček (1737–1781), obwohl gerade diese Werke kaum im Zentrum seines Œuvres stehen.

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Eingespielt wurden aus Handschriften eine Folge von sechs Sonaten, sechs einzelne Sätze, die unter dem Titel Divertimenti überliefert sind, und zwei von Václav Mašek (1755–1831) arrangierte Oktette – im Original vermutlich Harmoniemusiken. Zwar sind im Booklet die jeweils aufbewahrenden Bibliotheken genannt (Regensburg, Prag und Karlsruhe), nicht aber die Signatur. Für Karlsruhe ist es jedoch von Bedeutung, dass die Bearbeitungen aus dem Bestand Donaueschingen stammen. Aber auch über das von Marius Bartoccini verwendete Instrument wird sich ausgeschwiegen. Seltsam auch hier, dass nach dem Booklet die Sonaten und Divertimenti «per il Cembalo» geschrieben wurden – und eben doch ein Fortepiano (ein Walter?) verwendet wird (auf einem Bild ist lediglich zu erkennen, dass das Instrument aus der Manufaktur von Paul McNulty stammt). Und die Musik: Mysliveček hat sicherlich Interessanteres (vor allem für die Bühne) geschrieben. Was aber zu hören ist, sorgt für gute Unterhaltung und wurde mit Lust und differenziertem Anschlag interpretiert. Warum das ebenfalls überlieferte Oktett B-Dur nicht eingespielt wurde, obwohl auf der CD noch reichlich Spielzeit gewesen wäre, bleibt ein Geheimnis.

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Josef Mysliveček. Complete Keyboard Works
Sechs Sonaten per il Cembalo; Sechs Divertimenti per il Cembalo; Oktett op. 1/2 und op. 1/3 (Arr. Václav Mašek)
Marius Bartoccini (Fortepiano)

Brilliant Classics 95864 (2022)

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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This entry is part 1 of 1 in the series HörBar #177 – Übergänge

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