
Natürlich ist es nach wie vor verblüffend, was innerhalb von 365 Tagen alles bei Mozart über den Schreibtisch ging. Aber man hat bei einem solchen Konzept auch mit Fehlstellen zu tun – hier etwa Le nozze di Figaro oder Stücke für die Freimaurerei. Alles kann freilich Leif Ove Andsnes nicht leisten – und so bleiben die beiden CDs eben doch auf das Klavier beschränkt –, wenngleich mit einer interessanten Kombination aus Konzert, Kammermusik, Klavier-Rondo und Konzertarie (mit einem obligaten Part). Das interpretatorische Ergebnis dieses weit gefassten Projekts ist am Ende dann aber wie immer eine Sache des Geschmacks. Bei den Konzerten wirken einzelne Passagen des Orchesterparts packend, anderes aber zu weich. Auch werden die in der Partitur so wichtigen Bläserpartien gegenüber dem Tasteninstrument akustisch unentschlossen behandelt. Beim Klaviertrio rächt sich die Verwendung eines modernen Flügels (die Faktur löst sich auf), beim größer besetzten Klavierquartett ist das Ensemble kompakter eingefangen. An der Konzertarie stört die gegenüber der Stimme viel größere Präsenz des Klaviers. Dass Leif Ove Andsnes auch als musikalischer Leiter seinen Mozart nicht gegen den Strich bürstet, war zu erwarten. Mehr als frische Impulse vermag diese Einspielung also nicht zu setzen. Ich bevorzuge dann doch von Werk zu Werk den Griff ins Regal mit unterschiedlichen Sichtweisen, die in der Summe viel mehr Möglichkeiten dieser Musik abdecken.
Mozart Momentum 1786
Wolfgang Amadeus Mozart. Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur KV 488; Rezitativ und Arie «Ch’io mi scordi di te?» – «Non temer, amato bene» KV 505; Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur KV 493; Rondo D-Dur KV 485 für Klavier; Klaviertrio B-Dur KV 502; Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491
Leif Ove Andsnes (Klavier & Leitung), Christiane Karg (Sopran), Matthew Truscott (Violine), Joel Hunter (Viola), Franz-Michael Guthmann (Violoncello); Mahler Chamber Orchestra
Sony 19439854512 (2020, 2021)








