
Auf diesem Album nun lgen Mitgliedern des Beethoven Orchesters Bonn den Fokus auf die frühen Jahre des Titanen. Tatsächlich blieben sein Oktett op. 103 und das Sextett op. 71 bis heute immer am Rande – vielleicht zu freundlich als bloße Unterhaltung gespielt, vielleicht immer im Schatten von Klaviertrio, Streichquartett und Sinfonie. Jedenfalls datieren diese Werke aus den ersten Wiener (und nicht Bonner) Jahren, die hohe Opuszahl verweist lediglich auf die später liegenden Druckausgaben. Die Einspielung mit ihren spritzigen und griffigen Interpretationen verweist (auch im Booklet) auf die Opera buffa jener Zeit, und trifft damit in die Mitte der Partituren. Dies gilt auch für eine Partita von Joseph Reicha (1752–1795), die für den Hof von Oettingen-Wallerstein bestimmt war. Die von Beethoven geschätzte Musik von André-Ernest-Modeste Grétry (1741–1813) hinterlässt allerdings einen leicht schwächeren Eindruck, obwohl sie wirklich dicht am Geschmack und Geist der Zeit war. Sie weitet eher den Blick, als dass sie anrührt (Beethoven wählte später ein Thema aus Richard Cœur-de-Lion für die Klaviervariationen, WoO 72). Mit Ausnahme der Naturhörner (hörbar!) wird auf Instrumenten moderner Bauart gespielt. Wie aber hätte alles mit wirklich historischen Nachbauten geklungen?
Edition Hofkapelle 1. Harmoniemusik
Ludwig van Beethoven. Oktett op. 103; Sextett op. 71; André-Ernest-Modeste Grétry. Richard Cœur-de-Lion Suite Nr. 2 (arr. Franz Ehrenfried); Joseph Reicha. Bläserpartita (Sextett) Es-Dur
Bonner Hofkapelle, Lorenzo Coppola
MDG 9382250-6 (2021)








