Der eine mag von jugendlicher Frische sprechen, der andere vermisst vielleicht noch den reifen Blick auf das ein oder andere Stück. Für mich überwiegt die unmittelbare Nähe zu jedem einzelnen Satz, die sich aus dem mal perlenden, mal nachdenklichen Spiel wie von selbst ergibt und allzu große Gesten beiseite lässt. Das entspricht auch dem unerhörten Zyklus von Akio Yashiro (1929–1976) aus dem Jahr 1945 – ein Meisterwerk dieser Gattung, komponiert im Alter von 15 Jahren und von Yashiro selbst später als eines seiner besten Werke bezeichnet. Es ist die kleine Form, die hier zur Konzentration führt, in der musikalische Erfahrungen unmittelbar reflektiert und Experimente notiert werden. – Der Steinway-Flügel klingt sehr direkt und erstaunlich warm intoniert. Mao Fujita legt großen Wert auf den sorgfältigen Umgang mit dem Pedal.
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.