Das Streichquartett Nr. 12 gis-Moll (1927) von Julius Röntgen entstand deutlich später und fällt damit ein wenig aus dem skizzierten Rahmen, fügt sich aber stilistisch fast nahtlos ein. Denn Röntgen, der neben vielen anderen Partituren allein 29 (!) Quartette komponierte, blieb der Sprache des 19. Jahrhunderts treu und führte sie abseits aller zeitgenössischen Experimente mit sicherem Gespür für den Tonsatz in einer Weise fort, die eine stark klassizistisch geprägte Möglichkeit des Komponierens offenbart. Bei der Einspielung des Quartetts von Amanda Maier-Röntgen handelt es sich nicht um die erste Begegnung der Geigerin Cecilia Zilliacus und der Musik von Amanda Maier-Röntgen – insofern folgt das Album nicht dem aktuellen Trend. Davon zeugen auch die sorgfältigen, werbenden Interpretationen dieser Werke vom Rand des Repertoires. Die Mikrophone wurden nicht zu dicht vor das Ensemble platziert, so dass eine leichte, natürliche Räumlichkeit entsteht. Ein erstaunliches Album, das auch zum Nachdenken über «Musikgeschichte» anregt.
Edvard Grieg. Streichquartett Nr. 2 F-Dur; Amanda Maier-Röntgen. Streichquartett A-Dur; Julius Röntgen. Streichquartett Nr. 12 gis-Moll (1927)
The Zilliacus Quartet
dBProductions dBCD 207 (2022)
- Quatuor Akos / Joseph Haydn
- Quatuor Diotima / Conrado del Campo
- Butter Quartet / Scintilla
- The Zilliacus Quartet / Grieg, Maier, Röntgen
- Asasello-Quartett / Schwarze Messe