14. März 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch
Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Jakob Lindberg – Johann Sebastian Bach

Es kommt nicht oft vor, dass ein einzelnes Instrument einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Bei der sogenannten «Rauwolf-Laute» ist das die Ausnahme. Sie wurde als Renaissance-Instrument (wohl 7- oder 8-chörig) von Sixtus Rauwolf in Augsburg um das Jahr 1590 gebaut. Eine «Modernisierung» zur Barocklaute (nun 11-chörig) erfolgte 1715 durch Leonard Mausiel in Nürnberg, was durch einen «Zettel» belegt ist. Dass sich die Laute über die Jahrhunderte erhalten hat (wie nur wenige andere Instrumente aus der Werkstatt von Rauwolf), ist schon Zufall genug. Dass sie nach einer sorgfältigen Restaurierung auch spielbar ist,

This entry is part 3 of 5 in the series Hörbar #181 – Laute und mehr
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Alon Sariel – Johann Sebastian Bach

Alon Sariel – Johann Sebastian Bach

Wer Alon Sariel kennt, weiß um seine vielfältigen instrumentalen Fähigkeiten, die bei Einspielungen von Musik nur für Mandoline oft zu kurz kommen. So auch wieder bei jüngeren Produktionen. Daher hier nun der Rückgriff auf ein Album, bei dem er eine breite Sammlung unterschiedlichster Zupfinstrumenten vorstellt: Erzlaute, Barockgitarre, Liuto attiorbato, Oud. Das wirklich Faszinierende daran ist, wie flexibel sich Bachs Musik auch hier einmal mehr zeigt. Schon seine eigenen Präludien für Laute finden sich heute in Klavieralben. Hier nun werden zwei komplette Werke und einige Sätze aus den Suiten für Violoncello

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Bach reconstructed – le fessta musicale

Bach reconstructed – le fessta musicale

Schon lange fasziniert Bachs eigenes Parodie-Verfahren, bei dem er nicht nur weltliche Werke, sondern vor allem instrumentale Vorlagen in den in rascher Folge entstandenen geistlichen Kantaten wiederverwendet. Manches ist durch die Überlieferung des Originals bekannt und klar erkennbar, anderes lässt sich mit gut geschulten Ohren auch rein «instrumentaliter» zurechthören (hier wird die Vorlage wohl oftmals verloren gegangen sein). Bach beschritt bei seinen Parodien eine Einbahnstraße: vom weltlichen Werk hin zur geistlichen Kantate (allein die Schübler-Choräle scheinen eine Ausnahme darzustellen). Christoph Harer nun geht einen anderen Weg. Er gewinnt seine «Neubrandenburg

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Víkingur Ólafsson – from afar

Víkingur Ólafsson – from afar

Die Herausforderung bei heutigen Alben liegt vor allem in der Auswahl der eingespielten Werke. Bei der noch immer auf Tradition setzenden Deutsche Grammophon ist das ganz augenscheinlich. Da prangte auf dem Cover einst das alte goldgelbe Label mit Angaben zu Komponist, Werk und Interpreten. Dann wurde es zu einem Plakat für fett gedruckte Ware, aktuell verschwindet es vielfach in einer der vier Ecken. Mitunter fällt es abe auch schwer, die Fläche mit relevanten Meta-Daten (die im 20. Jahrhundert noch nicht so bezeichnet wurden) zu füllen – wie bei from afar

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #166 – Am Klavier
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Bach – Ars moriendi

Bach – Ars moriendi

In früheren Jahrhunderten und Epochen wurde anders mit dem Leben und dem Tod umgegangen – und somit auch mit der erhofften Ewigkeit. Dies spiegelt sich besonders in Dichtung und Musik wider, vielleicht am radikalsten in der Verszeile «Komm o Tod, Du Schlafes Bruder». Genau diese Choralstrophe hat vor 30 Jahren, verbunden mit erhabenen Bildern, sogar den Weg auf die Kinoleinwand gefunden. Wie Bach selbst über diese Dinge dachte, wissen wir nicht, aber der Ausdruck seiner Kompositionen scheint Hinweise zu geben. Einige dieser Spuren werden auf diesem hervorragend kuratierten Konzeptalbum nachgezeichnet,

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #162 – kurz & knapp (Barock)
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Bach – Sonaten und Partiten

Bach – Sonaten und Partiten

Bachs sechs Sonaten und Partiten für Violine allein (die auch die Suiten für Violoncello allein) sind Werke, die nicht nur für fertige Instrumentalist:innen gedacht sind, sondern die auch in jedem Takt die kompositorische Vollendung zeigen, Melodie, Rhythmus, Harmonik und Kontrapunkt so zu denken, dass jede Noten in mindestens einer dieser Dimensionen eine substanzielle Bedeutung hat. Und so fordern sie nicht nur eine herausragende Spieltechnik, sondern auch gestalterisches Vermögen in der Vertikalen wie Horizontalen. All dies findet sich eindrucksvoll auf dem zweiten und damit letzten Album dieser Werkgruppe wieder – eingespielt

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Thibault Cauvin

Thibault Cauvin

Bach geht immer. Man kann seine Musik emotional betrachten oder in dem kontrapunktisch verwobenen Liniengeflecht etwas Besonderes entdecken. Am Ende ist es die universelle Abstraktheit der Komposition, die sie auf wohl allen erdenklichen Instrumenten realisierbar macht – vom Akkordeon über den Synthesizer bis hin zur Gitarre und weit darüber hinaus. Johann Sebastian Bach selbst hatte wohl auch die Laute in der Hand und improvisierte – wichtig: privatim!) mit Silvius Leopold Weiss (1787–1750) um die besseren Ideen, wie Johann Friedrich Reichardt verspätet zu berichten weiß (1805): «Wer die Schwierigkeit der Laute

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Leipziger Streichtrio

Leipziger Streichtrio

Man muss schon genau hinsehen. Denn nicht das renommierte Leipziger Streichquartett hat dieses Album eingespielt, sondern das 2019 gegründete Leipziger Streichtrio. War es beim Quartett das Gewandhausorchester, so ist es beim Trio zumindest teilweise das MDR-Sinfonieorchester, das Ort und Namen motiviert. Und dem mit «Leipzig» verbundenen musikalischen Anspruch (ja, den gibt es auch noch im 21. Jahrhundert) werden die drei Herren auf ihrer Debüt-CD vollauf gerecht. Wer bei der Gattung »Streichtrio» noch unsicher ist, was diese strukturell und damit auch klanglich zu bieten hat, wird hier mit Sicherheit auch vom

This entry is part 2 of 5 in the series HörBar #155 – Streichtrios
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Bach / Lorenzo Ghielmi

Bach / Lorenzo Ghielmi

Äußerliche Brillanz ist nicht die Sache von Lorenzo Ghielmi. Am Cembalo und an der Orgel zu Hause, entwickelt er – ganz gegen den Trend der Zeit – ausgewogene und zugleich durchdachte Interpretationen, denen ein wenig von dem anhaftet, was man den Kompositionen Johann Sebastian Bachs nachsagt: Zeitlosigkeit. Spürbar wird das in seinem souveränen, ja abgeklärten Blick auf große und kleine Formen, in seiner präzisen und doch entspannten Darstellung großer Linien und kleinteiliger Rhythmen. So auch bei dieser Einspielung von Bachs sechs Partiten BWV 825–830 – einer enzyklopädischen Summa der Gattung,

This entry is part 4 of 5 in the series HörBar #153 – Blumen
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Bach / Alexander Grychtolik

Bach / Alexander Grychtolik

Bach am Karfreitag. In der Regel assoziiert man damit Aufführungen der Johannes- oder der Matthäuspassion. Man denkt auch an die alten, unter Chorsänger:innen immer noch etablierten Peters-Klavierauszüge (mit ihrer hervorragenden Notenstich),, weniger jedoch an die Fassungen und die Frage ihrer Konsistenz. Das betrifft die Johannes-Passion (aufmerksamen Zeitgenossen werden sich dessen immer bewusster), aber auch die weniger im Fokus stehenden Kompositionen: Da wäre zunächst die Lukas-Passion (BWV 246) mit ihren merkwürdigen Brüchen (zwischen musikalischer Simplizität und späteren Bach’schen Eingriffen), dann aber auch das «Passionsoratorium» BWV Anh. 169 auf einen Text von

This entry is part 4 of 4 in the series HörBar #152 – Passionen
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Albert Maria Herz

Albert Maria Herz

Manchester, Köln, London, New York. Die Stationen der Komponistin Maria Herz (1878–1950) haben musikalisch wohlklingende Namen, und doch war es ihr zeitlebens nicht vergönnt, sich mit ihren Werken dort oder anderswo durchzusetzen. Um überhaupt eine Chance bei Verlagen und Veranstaltern zu haben, stellte sie schließlich ihrem Vornamen den ihres 1920 an der spanischen Grippe verstorbenen Mannes voran: Aus Maria wurde Albert Maria Herz. Offenbar mussten erst 70 Jahre nach ihrem Tod die Rechte auslaufen und der Nachlass in der Zürcher Zentralbibliothek zugänglich werden, um auf sie und ihre Partituren aufmerksam

This entry is part 5 of 5 in the series HörBar #140 – :innen
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