
Was die hier eingespielte Musik von Yorgos Sicilianos auszeichnet, sind zweifellos ihre orchestralen Muskeln. Selten findet man Partituren, die so selbstbewusst «in die Vollen» gehen und doch kontrolliert bleiben. Es stellen sich daher Fragen: Ist es die naheliegende antike Mythologie, die die Kraft dafür gibt? Ist es die abseits der Avantgarde vollzogene Ausbildung in Athen und Rom? Wo liegen die Bezugspunkte zu anderen griechischen Komponisten (abseits des vielfach propagierten Skalkottas)? Entspricht die Partitur in ihrer Substanz wirklich dem packenden äußeren Zugriff? Derartige (Nach-)Fragen sind heute unbequem geworden – weil sie unter dem Verdacht stehen, nur unter Experten von Relevanz zu sein oder der gefühlten Qualität des unmittelbar Erlebten etwas Intellektuelles entgegenzusetzen. Die Antworten fallen aktuell vorsichtig unentschieden aus – zu wenig ist von Yorgos Sicilianos und seinen kompositorischen Weg bekannt, zu wenig lässt sich über die Werke ohne ein eingehendes Studium der Partituren sagen – obwoh dies auch der vorliegenden Einspielung vorausgegangen ist. So bleibt (vorläufig) das Erstaunen über eine kantige und knackige Sprache – und die Freude an einer hörbar enthusiastischen Einspielung.
Yorgo Sicilianos. Daimon. Sinfonische Fantasie op. 50 (1985); Sinfonie Nr. 2 op. 58 «To the Memory of Dimitri Mitropoulos» (1977); Antiphona op. 40 für Blechbläser, Pauken und Streicher (1976)
Athens State Orchestra, Ilias Voudouris
Genuin GEN 26563 (2024)
